(rl) Der Welttag des Buches und des Urheberrechts  veranlasste die Bildjournalisten im DJV der Frage nachzugehen, wie es in den deutschen Tageszeitungen um die richtige Urheberbezeichnung an Fotos bestellt ist. Das Gesetz ist auf ihrer Seite und eindeutig. Im § 13 Urheberrechtsgesetz heißt es:

Der Urheber hat das Recht auf Anerkennung seiner Urheberschaft am Werk. Er kann bestimmen, ob das Werk mit einer Urheberbezeichnung zu versehen und welche Bezeichnung zu verwenden ist.

Fotografen haben einen Anspruch auf Schadensersatz mindestens in Höhe des angemessenen Honorars, wenn der Name fehlt. Das Recht auf Nennung des Namens kann auch nicht durch AGB oder Verträge ausgehebelt werden.

Sieger in diesem Jahr wurde die Oldenburgische Volkszeitung/Vechta (87 % richtige Nennung) vor der jungen welt (82 % richtige Urheberbezeichnung) und der Welt kompakt/Ausgabe Berlin mit 78 % richtige Autorennennung. Etwa 150 Tageszeitungen wurden analysiert.

Die Siegerzeitungen arbeiten besonders sorgfältig. Selbst bei kleinsten Symbolfotos werden die Autorennamen korrekt genannt.  Überwiegend haben sie auch bei Agenturfotos die Namen der Bildjournalisten angegeben.

Spitzenreiter bei den Thüringer Tageszeitungen ist die Ostthüringer Zeitung. Nachdem sie im vergangenen Jahr 55 Prozent ihrer Fotos am Stichprobentag richtig bezeichnete und damit auf Platz 16 gelangte, wurden dieses Jahr an 63 Prozent der Bilder die Urheber korrekt genannt. Dafür rückte die OTZ auf Platz 13 im bundesweiten Ranking.

Die Thüringische Landeszeitung verschlechterte sich geringfügig von 46 Prozent richtige Nennung (Platz 37) im vergangenen Jahr auf 45 Prozent (Platz 47) in diesem Jahr.

Bei der Thüringer Allgemeine ging es leicht bergauf. Waren es 2013 nur 40 Prozent richtige Urhebernennung (Platz 50), landete sie in diesem Jahr mit 45 Prozent auf Platz 47.

Freies Wort/Meininger Tageblatt kam in diesem Jahr mit 40 Prozent richtige Urheberbezeichnung auf Platz 58. Im Vorjahr waren keine Daten erhoben worden.

Das Freie Wort rutschte von Platz 70 (33 % richtige Nennung) im vergangenen Jahr auf Platz 108 (29 % richtige Nennung).

Schlusslicht im Ranking der Thüringer Tageszeitungen ist die Südthüringer Zeitung. Nach 29 Prozent richtige Nennung im Vorjahr (Platz 80) reichte es bei 26 Prozent in diesem Jahr bundesweit nur noch für Platz 118.


Das soll der neue Trend sein? Die Beiträge im öffentlich rechtlichen Rundfunk sollen nicht nur Fakten liefern, Pro und Contra? Sie sollen in Zukunft zusätzlich EINORDNEN. Also kommentieren. Das soll die Rettung des Journalismus sein?

Ihr habt wohl noch nicht gemerkt, dass sich nahezu niemand für die Meinung anderer interessiert.

Der eine Teil der Zuschauer/Zuhörer wird auch in Zukunft der Meinung sein, dass alle Anzugträger unfähig sind. Büronasen ohne praktische Fähigkeiten eben.

Der andere Teil der Zuschauer/Zuhörer wird das alles genau anders einschätzen: Anzugträger haben aufgrund ihres Studiums und ihrer Stellung den Überblick. Im Gegensatz zu einfachen Arbeitern.

Nur ein Beispiel. Wie soll man dann einen Konflikt zwischen Anwohnern und Bürgermeister kommentieren? Was zum Tarifstreit sagen? Wie die Bilanz eines Unternehmens einordnen? Es gibt nicht den EINEN Kommentar, den alle lesen, hören oder sehen wollen.

Wenn das die Zukunft sein soll, dann wird es nicht mehr einen öffentlich- rechtlichen Rundfunk, auch nicht eine Regionalzeitung für alle geben. Dann wird es für jede Tendenz einen Sender, eine Zeitung geben: konservativ, links, liberal oder ökologisch.
Wollen wir das?

(rl) Der Rundfunkrat des MDR kann am Montag (9. Dezember 2013) den Prozess der Erneuerung des Senders mit einem Votum für eine Redakteursvertretung unterstützen. Auf der Tagesordnung der Sitzung steht der Beschluss über den Entwicklungsplan der MDR-Geschäftsleitung bis 2017. Seit ca. zwei Jahren wird im Sender um die Einführung eines Redaktionsstatuts gerungen.

Der DJV und die Initiativgruppe für ein solches Statut haben wenig übrig für die “väterliche Umarmung” einer Dienstanweisung, mit der die MDR-Geschäftsleitung künftig Programmkonflikte lösen will. Dieses Verfahren wäre eine Abkehr von der bewährten Praxis in anderen Sendern. Es besteht auch keine Notwendigkeit dazu. Vor wenigen Wochen erst warb NDR-Intendant Lutz Marmor aus eigener Erfahrung für Redaktionsstatute als sinnvolles Instrument zur Lösung von Programmkonflikten.

Nach Ansicht des DJV Thüringen bietet ein unabhängiges, von den Programmmitarbeitern gewähltes Gremium die beste Gewähr dafür, inneren und äußeren Versuchen der Einflussnahme auf die journalistische Arbeit entgegenwirken und Konflikte lösen zu können. Misstrauen ist hier fehl am Platz. Schließlich sind die Programmmitarbeiter erwachsene, hochqualifizierte Menschen, die täglich kompetent und mit großer Sorgfalt ihre Arbeit leisten. Den ganzen Beitrag lesen »

(ra) Also ganz ehrlich: Die Verleger enttäuschen mich …
Erst jetzt kommen sie auf den Dreh, wie sie sich gegen Mindestlohn & Co. wehren können.

(ra) Die “Westfälische Rundschau” war nur der Anfang: Die WAZ macht weiter mit “Zombie-Redaktionen”, wie heute kress berichtet:

“Seit Februar 2013 füllt die Funke Mediengruppe die Lokalteile ihrer “Westfälischen Rundschau” (“WR”) mit Inhalten der Konkurrenz (kress.de vom 15. Januar 2013), was dem Blatt aus Dortmund unter Kritikern den Beinamen ”Zombie-Zeitung” eingetragen hat. Davon gänzlich unbeeindruckt dehnen die Essener den Geltungsbereich ihres “Kooperationsmodells” jetzt sogar aus: Vom 1. November 2013 an kommen auch die Lokalteile der “WAZ” und der “WR” in Castrop-Rauxel von den “Ruhr Nachrichten” (Medienhaus Lensing). Den Mantelteil liefert hingegen weiterhin der Content Desk der Funke Mediengruppe in Essen …”

Mehr hier!

(rl) Nun behaupte mal einer, die Verlage hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt und deshalb keine Lösungen. Wie, das glauben Sie nicht?

Vom Zeitungskongress in Dresden tönte der Interessenvertreter von Verlagen, der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV): Er strebe ein Tarifwerk Zukunft an, das die Arbeitswirklichkeit in den Redaktionen widerspiegelt. Na hoffentlich, schoss es mir durch den Kopf, ist das nicht der zweite Aufguss der Forderungen von vor fast drei Jahren, die einer Entwertung des Berufs Journalist gleichkamen.

Nimmt man die Damen und Herren in den Chefetagen beim Wort, müssten die Gehälter exorbitant steigen. Immer weniger Redakteurinnen und Redakteure müssen immer mehr leisten. Und ohne Freie geht es kaum noch. Die Zahlung einer angemessenen Vergütung müsste also mehr als selbstverständlich sein. Den ganzen Beitrag lesen »

(hb) Zugegeben: nach den Tarifverhandlungen sind wir Aktiven in der Gewerkschaft eigentlich zufrieden. Wir haben  in der Tarifkommission oder im DJV-Vorstand diskutiert. Wir haben bei den Kollegen für den Warnstreik geworben und waren froh über jeden, der bei den Aktionen mit draußen stand. Es gab jedes Mal aber auch die, die an der Gruppe vorbeigingen. Warum hatten sie es an diesem Tag so eilig, an ihren Arbeitsplatz zu kommen?

Auch ohne diese Allzufleißgen kam hinterher eine Tariferhöhung wie in den anderen ARD-Anstalten raus: Lohnerhöhungen für die Festen, Einmalzahlungen für die Freien. Danach wachen die Unzufriedenen auf: da sei mehr möglich gewesen, sagen sie. Oder: die Inflation fresse die Lohnerhöhung auf. Sie reden engagiert und kennen viele Argumente. Was sie nicht sagen: wozu habe ich eigentlich gestreikt? Denn sie waren nicht dabei. Wo waren sie?

Die Rituale seien überholt, Gewerkschaften altmodisch, hören wir. Aber wo sind unsere Kritiker, wenn wir Aktionen und Warnstreiks planen? Jedes Mitglied kann und soll mitmachen. Dazu rufen wir immer wieder auf. Aber unsere Kritiker sind nicht in der Gewerkschaft. Warum nicht?

Der Lohn steigt regelmäßig. Einmalzahlungen kommen auch. Für alle. Natürlich auch für unsere Kritiker, die Unzufriedenen. Werden sie aktiv, wenn sich das ändern würde? Wenn nur die diejenigen mehr Honorare und Lohn  bekämen, die Mitglieder in einer Gewerkschaft sind?

(pt) Es muss schlecht um die Zeitungs- und Zeitschriftentitel von Springer stehen, wenn der Konzern deren geplanten Kauf durch die Funke-Gruppe (ehemals WAZ) durch ein mehrjähriges Darlehen in Höhe von 260 Millionen mitfinanziert. Vielleicht will man auch Negativschlagzeilen vermeiden. Zusammenlegungen von Redaktionen und Stellenabbau sind schädlich für´s Image, für die Glaubwürdigkeit, von der Journalismus lebt. Das weiß man in Berlin und Hamburg.

Den Geschäftsleuten im Ruhrpott traut man es zu, den Job zu erledigen. Die haben Erfahrung darin, der Leserschaft deutlich zu machen, dass trotz eines Abbaus von 300 Stellen in den Redaktionen bessere Zeitungen ins Haus geliefert werden.

Die wissen auch, wie man 120 Leute vor die Tür setzt, eine Zeitung ohne eigene Redaktion herausgeben kann und sich nicht um Meinungsvielfalt scheren muss.

Die kümmern sich nicht um den eigenen Kodex, wonach man sich an Tarife hält. Deshalb werden in Thüringen keine Tarifverträge mehr geschlossen und unterschiedliche Arbeitsbedingungen in Ost und West wieder eingeführt.

Die können so schön Lokaloffensiven verkünden. Mit zusammengelegten Redaktionen an Standorten mit zwei Zeitungstiteln und Einstellungsstopp. Selbst Stellen von altersbedingt ausscheidenden Journalistinnen und Journalisten werden kaum wiederbesetzt.

“In den vergangenen Monaten und Jahren haben wir, wie Sie alle wissen, konsequent unsere Kosten reduziert. Wir danken Ihnen, dass Sie diesen Weg, trotz aller Härten mit uns gegangen sind.”,

teilte die Essener Geschäftsführung heute ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit. Wie zynisch angesichts der Sparorgien vor allem für mehrere hundert jetzt Arbeitslose, die einstmals der WAZ zu Reichtum verholfen haben, wie auch für die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen eine angemessene Vergütung verweigert wird. Sie fühlen sich wie eine zur Speisenzubereitung verwendete Zitrone: ausgequetscht und weggeworfen.

Ach ja, was könnte man alles mit dem schönen Geld machen? Zeitungen wieder ihre Eigenständigkeit geben, damit sich die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich aus unterschiedlichen Meinungen eine eigene bilden können. Die Unabhängigkeit von Journalisten sichern, in dem sie angemessen bezahlt werden. Die Lokalredaktionen personell aufstocken, um die Geschichten aufschreiben zu können, die auf der Straße liegen. Die Entpolitisierung in der Berichterstattung zurückdrehen …

In Hamburg macht sich Hoffnung breit, aus dem Abendblatt könnte wieder eine Zeitung werden. Für dessen Niedergang wäre biederer antiquierter Inhalt (“mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen”) ursächlich. Nun ja!


Einen Schatz hüten

(rl) Das Archiv ist das Gedächtnis der Redaktion. Archive sind legendär, wie das des Spiegels, und ertragsträchtig. Ein Anruf im Archiv genügt. Dank des unglaublichen Gedächtnisses der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der sorgfältig archivierten Ausgaben ist das gewünschte Foto oder der fehlende Fakt schnell herbeigeschafft. Mit Hilfe eines Archivs lassen sich auch Journalistenpreise gewinnen.

Vor etwas mehr als einem Monat entschied sich die Jury des von der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgelobten Deutschen Lokaljournalistenpreises für zwei erste Preisträger. Einer davon ist die Thüringer Allgemeine, die sich mit ihrer Serie “Treuhand in Thüringen” beworben hatte. Über ein Jahr hatten TA-Redakteure recherchiert, Interviews geführt, Regionalkonferenzen organisiert und die Dienste des eigenen Redaktionsarchivs in Anspruch genommen. Entstanden ist eine Dokumentation, die auch von der im Redaktionsarchiv dokumentierten eigenen Berichterstattung lebt.

Leblos, weil ohne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, schlummert das OTZ-Archiv vor sich hin. Ob dieses Schicksal auch dem TA-Fundus beschieden sein wird, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Es spricht aber einiges dafür. Diejenigen, die gestern noch einer Redaktion zu Ehren verholfen haben, basteln jetzt auch Serviceseiten. Das sind jene Bestandteile der Lokalausgaben, die unter anderem Kultur- und Veranstaltungstipps enthalten.

(rl) Was durch die Flure der Zeitungsgruppe Thüringen waberte, hat nun ein Ende: die Spekulationen. Nicht einen Chefredakteur für drei Zeitungstitel, sondern jedem Titel einen, ist seit gestern entschieden. Mit der Zusammenführung zweier Belegschaften (TA und TLZ) zu Beginn des neuen Jahres hatten sich nicht wenige im Haus gefragt, ob die TLZ nach dem Abgang von Hans Hoffmeister in den Ruhestand noch einen eigenen Chefredakteur haben würde. Ein Betrieb, auf lokaler Ebene nahezu inhaltlich identische Ausgaben von TA und TLZ bzw. OTZ und TLZ waren Indizien für die 1-Chef-Variante.

Für jene, die sich mit dieser Version nicht anfreunden wollten, stand eigentlich nur die Frage, welcher der beiden Stellvertreter von Hoffmeister den Chefsessel besetzen würde. Nun nimmt dort einer Platz, der bis vor ca. 18 Monaten noch die Leipziger Volkszeitung redaktionell verantwortete: Bernd Hilder. Nach der missglückten Bewerbung zur Intendantenwahl beim MDR musste er das traditionsreiche Blatt verlassen. Über seine Versetzung ins Brüsseler Büro soll er aus den Medien erfahren haben, so sein Anwalt beim Prozess im August vergangenen Jahres. Hilder hatte auf Weiterbeschäftigung geklagt. Das Gericht entschied, dass die Kündigung unwirksam ist. Den Antrag auf Weiterbeschäftigung lehnte es jedoch ab.

Gäbe es diesen Hintergrund nicht, könnte die Entscheidung als Versuch eines Neubeginns interpretiert werden. Für einen Neustart spricht jedoch die Äußerung von ZGT-Geschäftsführerin Inga Scholz:

“Bernd Hilder wird zusammen mit der Redaktion der TLZ das eigenständige journalistische Profil der Thüringischen Landeszeitung ausbauen, damit sich die TLZ ihren Platz in der Zeitungslandschaft Thüringens als meinungsstarkes Print- und Onlinemedium sichert.”

Nanu, ist das die Rolle rückwärts? Das Eingeständnis, dass das Jenaer Modell doch nicht funktioniert? Dort, wo sich die Verbreitungsgebiete von TA und TLZ bzw. OTZ und TLZ überschneiden, planen seit 2010 beide Lokalredaktionen die Ausgaben gemeinsam und nutzen bei der Produktion der Seiten die im Pool befindlichen Texte und Fotos. Das sollte mehr Freiräume für die Themenrecherche schaffen.

Diese Form der Zusammenarbeit besitzt Steigerungsmöglichkeiten. Seit 1996 entstehen nämlich aus der OTZ-Ausgabe Gera die TLZ-Gera und aus der TA-Ausgabe Mühlhausen die TLZ-Mühlhausen. Man könnte auch meinen, das Muster für die Westfälische Rundschau dieser Tage kommt aus Thüringen.

Nächste Einträge »