(rl) Der DJV Thüringen hatte sich im Januar 2016 entschieden, die Geschäftsführung der Mediengruppe Thüringen zu Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der TA, OTZ und TLZ aufzufordern. Diesem Handeln lag die Überzeugung zugrunde, dass die Geschäftsführung im ersten Halbjahr Maßnahmen zur Umstrukturierung bekannt geben wird. Die Ansicht teilten auch die Betriebsräte der Gruppe, mit denen sich die Gewerkschaften seit Mitte vergangenen Jahres regelmäßig treffen.

Die Antwort der Geschäftsführung auf die Verhandlungsaufforderung ist bekannt. Der 22. Februar 2016 wird noch lange im Gedächtnis haften bleiben.

Das Ausmaß der Umstrukturierungen schockierte, lähmte, machte sprachlos. Zwar werden (noch) keine UGs, eine Spezialform der GmbH, wie in Magdeburg gegründet. Die Blaupause jedoch ist vorhanden. Von 299 Beschäftigten der TA, OTZ und TLZ sollen 94 gekündigt werden. Eine Dimension, die nur mit dem Vorgehen der damaligen WAZ-Gruppe in Essen im Jahr 2009 vergleichbar ist.

Über die Notwendigkeit des Stellenabbaus in diesem Umfang ließe sich trefflich streiten, es geht wegen des Tendenzschutzes nicht. Es sei denn, der Streit wird auf der Straße ausgetragen. Die Voraussetzungen dafür sind nicht die günstigsten. Den Lokalredakteuren wurde von Anfang an erklärt, sie seien nicht betroffen und würden durch § 613a geschützt zu unveränderten Bedingungen in die neue Gesellschaft wechseln. Dass nun einige Kolleginnen und Kollegen vor einem Wechsel des Arbeitsortes stehen, ändert daran nur wenig. Um den Verlust des Arbeitsplatzes müssen vor allem die Redakteurinnen und Redakteure in den Mantelredaktionen und alle Redaktionssekretärinnen bangen.

Dann die ersten Reaktionen auf die Sparpläne der Geschäftsführung. Die Betriebsräte verlangen detaillierte Informationen und die Beratung über die geplanten Maßnahmen. Der DJV Thüringen verlangt Maßnahmen zur Verbesserung der Einnahmensituation, weil Kosteneinsparungen allein nicht die Lösung sein können. Zusammen mit Ver.di fordert die Journalistengewerkschaft Sozialtarifverhandlungen, Gewerkschaftsvertreter sitzen vorerst als externe Sachverständige mit am Verhandlungstisch.

Die Geschäftsführung verspricht der Öffentlichkeit, dass nun die Qualität der Zeitungen besser und die Lokalteile umfänglicher werden. Dazu sollen vor allem 11 zusätzliche Stellen in den Lokalredaktionen beitragen. Betrachtet man jedoch das Personaltableau wird offenbar, dass zwar künftig mehr Redakteurinnen und Redakteure für Lokalredaktionen tätig werden, aber eben nicht in Lokalredaktionen. Der bisherige Stellenplan enthält 120 Arbeitsplätze ohne die Seitenproduktion, die noch am Desk/Regionaltisch angesiedelt ist. Davon sind 113 besetzt. Nun sollen es 132 Stellen sein, davon jedoch 27 in den fünf Produktionsköpfen, die für die Seitenproduktion zuständig sein werden. Es bleiben also 105 von 120 Arbeitsplätzen in den Lokalredaktionen. Den ganzen Beitrag lesen »

Der DJV Thüringen fordert die Geschäftsführung der Mediengruppe Thüringen auf, das Redaktionskonzept mit dem Personal umzusetzen, das derzeit in den beiden Zeitungsverlagen beschäftigt wird. Die Pläne der Geschäftsführung sehen vor, dass gerade einmal 11 Redakteurinnen/Redakteure die Lokalredaktionen verstärken sollen. Dem steht ein Abbau von insgesamt 94 Stellen gegenüber.

Mit einem Drittel weniger Personal soll der Auflagenrückgang zumindest verlangsamt werden. Wer glaubt angesichts der bisherigen Erfahrungen an solche Verheißungen?

Ein Chefredakteur musste gehen, weil er eine kritische Haltung zur Installation eines News-Desks hatte. Damit lag er so falsch nicht, weil die als Sparmodell gedachte Umstrukturierung nun wieder rückgängig gemacht wird.
Eine Geschäftsführerin musste “aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung” den Schreibtisch räumen. Ihr Nachfolger stand bereits vor der Tür.
Anfang des Jahres traf es den TLZ-Chefredakteur, der wegen “unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Entwicklung der Zeitung” den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam. Nur ein kleiner Ausschnitt des Kommen und Gehens beim größten Medienarbeitgeber Thüringens. Kontinuität sieht anders aus.

Der DJV Thüringen wird nun mit den Betriebsräten und den Beschäftigten alle Handlungsmöglichkeiten nutzen, die Sparorgie zu verhindern.
Übrigens: Nach dem Gesetz ist der Arbeitgeber zur rechtzeitigen und umfassenden Information des Betriebsrats über die Personalplanung, insbesondere über den gegenwärtigen und künftigen Personalbedarf sowie über die sich daraus ergebenden personellen Maßnahmen verpflichtet. Der Gesetzgeber meint damit etwas anderes, als es der Arbeitgeber heute mit der Bekanntgabe seiner strukturellen Veränderungen praktiziert hat.

Gemeinsam mit dem Bundesverband haben wir heute eine Pressemitteilung veröffentlicht. Und das ist die Pressemitteilung der Geschäftsführung.

(rl) Beginnen wir mit der positiven Nachricht. Immerhin 68 Prozent der Thüringer Freien geben an, in der VG Wort zu sein (Bund 71 Prozent). Einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Bild/Kunst hat jedoch nur jeder dritte Freie abgeschlossen, was aber noch deutlich über dem bundesweiten Ergebnis von 19 Prozent liegt.

Die Freien in Thüringen sind zu 79 Prozent durch die Künstlersozialkasse (KSK) abgesichert. Bundesweit trifft das nur auf zwei Drittel zu. Eine Zusatzversicherung mit Anspruch auf Krankengeld ab dem 15. Krankheitstag haben 26 Prozent der freien Journalistinnen und Journalisten.

Nach der Renten- und Krankenversicherung sind eine private Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung, Vermögensschadenhaftpflicht- und Berufshaftpflichtversicherung für die Existenzsicherung enorm wichtig. Jedoch nur 16 Prozent haben sich für den Fall der Berufsunfähigkeit versichert und 21 Prozent eine private Unfallversicherung abgeschlossen. 37 Prozent der Thüringer Freien verfügen über eine Berufshaftpflichtversicherung.

Für eine freiwillige Arbeitslosenversicherung haben sich nur 5 Prozent entschieden. Das mag auch an den zu geringen Leistungen aus der Versicherung liegen.

„Der Dorfteich war durchschnittlich 1 m tief. Und trotzdem ist die Kuh ersoffen.“

(ra) Meine Großmutter Alexandrine stieß mich schon als klugscheißenden Dreikäsehoch auf den Umstand, dass man mit gesunder Skepsis statistischen Werten und Prozentangaben zu begegnen habe.

Insofern nehme ich recht gelassen, dass bundesweit die Freien, die an der Umfrage teilnahmen, eine 41-Stunden-Woche haben sollen. Selbst die acht Stunden „Mehrarbeit“ im Freistaat registriere ich nahezu emotionslos.

Bringt man aber die Arbeitszeit mit den Einkünften in Verbindung, wird es spannend: Da bleibt zwar offen, ob die 49 Arbeitsstunden pro Woche die abgerechnete, demnach bezahlte Arbeitszeit ist oder ob da noch die Stunden hinzukommen (müssten), die für Buchhaltung, Akquise, Fahrerei etc. draufgehen.

Wäre es die bezahlte Zeit, kämen bei einer 49-h-Woche und 2.123 Euro monatlichem Durchschnittshonorar 10,00 Euro Stundenhonorar in Thüringen heraus. Wer hauptsächlich für Tageszeitungen arbeitet, hat gar nur einen Stundensatz von 6,57 Euro.

Offen ist auch, ob die Honorareinnahmen netto oder brutto sind. Schließlich würden diese Umsätze dann noch bei jenen, die umsatzsteuerpflichtig sind (also mehr als 17.500 Euro Umsatz im Jahr machen), um mindestens 7 % ausfallen – vorausgesetzt, die Honorare sind reine journalistische Dienstleistungen. Bei allen anderen würden weitere 19 % abschmelzen.

Doch selbst, wenn die 10,00 Euro bzw. 6,57 Euro Stundenhonorar netto wären, wären sie weit entfernt von auskömmlichen Einnahmen eines Selbstständigen. Umso mehr, da 68 % der Thüringer Freien mit ihrer journalistischen Tätigkeit ihr Haupteinkommen verdienen (Bund 57 %).

Die errechneten Stundenhonorare belegen auch: Die Annahmen des DJV, dass jeder Zweite der Freien im Landesverband eigentlich unter der Armutsgrenze lebt und „Aufstocker“ sein müsste, ist keine Schwarzmalerei. Nicht wenige rettet nur, das Ehe- oder Lebenspartner festangestellt sind und ein zweites Einkommen heimbringen.

Erwägt man dies alles, verblüfft, dass nur jeder 5. Freie mit seiner Auftragslage unzufrieden sei, sie als „schlecht oder sehr schlecht“ empfände.

Womöglich liegt es daran, dass laut Statistik die meisten Thüringer Selbstausbeuter das seit 16 Jahren machen und jeder zweite von ihnen diese Karriere nicht freiwillig startete. Das lehrt Demut bzw. raubt Kraft und Mut, sich gegen solche prekären Verhältnisse zu wehren. Hinzu kommt, dass nur wenige von den Freiberuflern in ihrem Umfeld Beispiele dafür finden, wie es auch anders gehen kann.

Ich werde erst die „Internationale“ zitieren, um mich dann endgültig unbeliebt zu machen:

„Es rettet uns kein höh’res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!“

Seit 2002 arbeite ich als freiberuflicher Journalist. Ich verdinge mich – bis auf wenige Ausnahmen – nicht mehr an Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Aus bekannten Gründen. Die 2.123 Euro Durchschnittshonorar erzielte ich z. B. schon vor einem Jahrzehnt mit den Titeln in Südthüringen bei einer Sechs-Tage-Woche und wenigstens 60 h Arbeitszeit, fuhr bis zu 1.000 km pro Woche quer durch den Freistaat.

Aufträge kamen meist im Laufe des Vormittags mit Lieferfrist bis zum Redaktionsschluss, selten mit ein, zwei Tagen Vorlauf. Das erschwerte, besser: verhinderte jeden Versuch, andere Kunden/Honorarquellen zu finden.

Trotz Fleiß und Einsatz und hochwertiger Zuarbeit blieb am Ende des Monats nach Abzug der Kosten kaum Nennenswertes übrig. Ein Zufall kam zu Hilfe: Ein bundesweit agierender Verband suchte PR-Assistenz, weil er seine Jahreshauptversammlung in Erfurt absolvierte. Ich bekam dafür den Auftrag. Daraus wurde eine bis heute währende Kooperation.

Das gab mir 2005 den Mut, eben auf diese Schiene zu setzen und mich auch über die Thüringer Landesgrenze hinaus zu wagen.

Vor allem jetzt als Öffentlichkeitsarbeiter unterwegs, bekomme ich nun angemessene Honorare. Dafür habe ich aber auch hart gekämpft und vor allem durch Empfehlungen zufriedener Kunden neue Kontakte bekommen.

Meine Botschaft heißt deshalb klipp und klar: Nicht länger mit den bescheidenen Verhältnissen abfinden, Pops hoch bekommen, Krönchen zurechtrücken, Staub aus den Kleidern klopfen und selbstbewusst und souverän auf „Kundenfang“ gehen. Geht noch viel besser, wenn man mit Kollegen erst zur Probe netzwerkt und dann gemeinsam Akquise betreibt. Vor allem dann, wenn man/frau nicht der/die geschickteste VerhandlerIn ist.

Und: Sich NIE unter Wert verkaufen. Auch nicht zum „Anfüttern“etc. Honorare anbieten, von denen man nicht leben kann. Wer sich billig macht, muss sich nicht wundern, wenn er billig behandelt wird.

(mf) “Könntest du noch schnell?”, “Ich hätte da noch”, “Das kriegst du doch noch hin, oder?” Freien Journalisten ernten von von Außenstehenden gern mal verträumte Blicke. Keine festen Arbeitszeiten, Aufstehen, wann du willst, Pause, wann du willst. Dass dahinter ein knallharter Job steht, wissen oft nur die, die sich für diesen Weg entschieden haben, und mit ihm für den ständigen Kampf um lukrative Aufträge, für die oftmals völlige Aufgabe eines Feierabends und die geringe Entlohnung.

Und die Aufgabenpalette wächst und wächst. Einfach nur Texte zu liefern reicht heute oftmals nicht mehr aus. Könnte ja eigentlich Grund zur Freude sein, ein breiteres Angebot, mehr Aufgaben, sollten auch die wirtschaftliche Lage der Kollegen verbessern. Zumal die Redaktionen immer kleiner werden, immer mehr auslagern müssen. Sollte. Denn das Gegenteil ist der Fall, wie sich auch in der Umfrage des DJV unter Thüringer Freien wiederspiegelt. Fast ein Viertel der Befragten schätzt die Auftragslage als schlecht bis sehr schlecht ein. Viele fühlen sich von den Redaktionen allein gelassen, eine Auftragskontrolle existiere nur noch in der Theorie, ein Austausch mit festangestellten Redakteuren, so die Befragten, sei nur dann möglich, wenn ein Arbeitsplatz in den Redaktionen selbst existiere. Und diesen Luxus haben nur 40 Prozent der Umfrageteilnehmer, wobei hier die Gefahr der Scheinselbstständigkeit nicht zu unterschätzen ist. Lediglich 20 Prozent gaben dagegen an, an Redaktionskonferenzen teilzunehmen.

Auch im Portmonnaie spührt kaum einer eine Auswirkung seiner Leistung. 44 Prozent erhalten nichtmal eine Aufwandsentschädigung für ihre Fahrtkosten und Rechercheausgaben. Von unvergüteten Mehrfachverwertungen ihrer Texte ganz zu schweigen. Die meisten erhalten Zeilenhonorare, auch Seiten- oder Auftragspauschalen sind üblich. Nach den verhandelten Vergütungsregeln bezahlt werden allerdings nur 12 Prozent der Teilnehmer. Da stellt sich die Frage, wie groß der Wille ist, für die eigenen Rechte einzutreten.

Wollen wir gerechte Bezahlung für geleistete Arbeit? Wenn ja, wie soll sie aussehen? Was ist den Kollegen wichtiger, höhere Honorare oder eher eine soziale Absicherung, Urlaubsanprüche und eine sichere Auftragslage? Welche Wünsche haben freie Journalisten an die Redaktionen? Wie kann die Kommunikation verbessert werden?

Dass die Umfrage unter den Freien nur einen kleinen Teil der Kollegen in Thüringen abdeckt, steht außer Frage. Um hier klarer beschreiben zu können, wie sich die Arbeitsbedingungen ändern müssen, um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Redaktionen und freine Kollegen zuerreichen, ist der DJV auf Zuarbeit angewiesen.

Welche Aufgaben sind in den vergangenen Jahren konkret dazugekommen? Wurde der Versuch unternommen, die neuen Leistungen auch in das Honorar einfließen zu lassen? Wie hat sich der Arbeitsalltag nach Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes geändert?

(ag) „In Thüringen haben fast drei Viertel der Freien schon einmal an Weiterbildungen teilgenommen“, heißt es in der Auswertung der DJV-Freienumfrage.

Das ist eine Erleichterung, denn das bedeutet, dass unsere Idee, als DJV Thüringen künftig mehr Weiterbildungsangebote einzurichten, offenbar ein Bedürfnis trifft. Trotzdem lässt die Freienumfrage auch in diesem Punkt viele Fragen offen: Welche Veranstaltungen haben Sie denn besucht? Welche Themen waren Ihnen wichtig genug, um dafür Geld auszugeben und Zeit zu investieren? Nehmen Sie für Seminare auch weite Fahrtstrecken in Kauf? Und wonach bewerten Sie, ob ein Seminar sich lohnt oder nicht? Ist es Ihnen wichtig, dass der Dozent einen großen Namen hat oder gehen Sie nur nach den Inhalten? Spielt der Preis eine ausschlaggebende Rolle? Wie wichtig ist die Länge des Seminars und der Wochentag, an dem es stattfindet? Und welche Bedeutung haben Gruppengröße und Praxisanteil für Sie?

Auf diese Fragen eine Antwort zu bekommen, würde uns helfen, ein kleines bisschen weniger im Nebel zu stochern, wenn wir unsere Angebote planen. Gegenwärtig versuchen wir je zwei handwerkliche Angebote im Jahr zu machen und zwei, die sich eher mit den „Soft Skills“ beschäftigen. So wird es im Oktober ein Seminar geben, in dem Sie lernen können, Social Media professionell zu benutzen – zur Recherche und zur Vermarktung. Und zum Jahresende ist ein Workshop zu den Themen Rhetorik und Verhandlung geplant. Handwerk und Soft Skills eben. Aber vielleicht ist das ja überhaupt nicht das, was Sie wollen und brauchen?

Und vielleicht möchten Sie heutzutage überhaupt keine Präsenzveranstaltungen mehr buchen. Laut Freienumfrage bevorzugen immerhin fast ein Drittel der befragten Thüringer Kollegen Online-Veranstaltungen/Webinare (Bund 19%). Allerdings gaben doch überwältigende 73 Prozent an, lieber vor Ort zu lernen, im persönlichen Kontakt zu Referent und den anderen Teilnehmern. Deshalb planen wir, zumindest mittelfristig, weiter vor allem eintägige Präsenzveranstaltungen.

Die meisten Befragten möchten die Seminare übrigens am Wochenende in Anspruch nehmen. Das war für uns eine Überraschung, hieß es doch in den vergangenen Jahren immer, dass gerade Freie am Wochenende die meisten Jobs hätten – einfach, weil viele von ihnen für die Tageszeitungen im Freistaat arbeiteten und die Lokalredaktionen mit ihnen die Termine am Samstag und Sonntag abdeckte. Hat sich das wirklich geändert? Oder hat der Großteil von Ihnen einfach nur nicht an der Freienumfrage teilgenommen?

Diskutieren Sie mit und seien Sie gern kritisch. Noch steckt das Weiterbildungsangebot des DJV Thüringen in ganz kleinen Kinderschuhen. Aber zum Laufen lernen, braucht jedes Kleinkind zwei Dinge: Gelegenheit zum Fallen und eine Hand zum Halten. Wir haben kein Problem damit, hier und da ein Seminar abzusagen, wenn wir uns mit einem Thema vertan haben und es Ihre Interessen so gar nicht trifft, sich also niemand anmeldet. Aber wir möchten ungern den größten Teil der Seminare absagen müssen, weil das so ist. Also geben Sie uns etwas an die Hand, damit wir Angebote machen können, die Sie brauchen. Denn dann geben in der nächsten Freienumfrage vielleicht mehr als 13 Prozent der Thüringer Befragten an, dass sie sich regelmäßig weiterbilden (Bund: jeder vierte) und hoffentlich haben dann nicht mehr ganze 43% der Thüringer Angebote anderer Anbieter als dem DJV angenommen (Bund 30%).

(dh) Ein Kind? Na klar. Seit ich meinen Mann kenne, war dieser Wunsch schon immer da. Journalistin sein? Na klar. Seit meinem ersten Praktikum bei einer Lokalzeitung wollte ich diesen Beruf leben. Geht beides zusammen? Na klar, war für lange Zeit meine naive Antwort.

Und dann startete ich schwanger in meine Selbstständigkeit. Als ich die Nachricht von meinem persönlichen Familienglück erhielt, konnte ich mich nicht freuen. Wie soll ich das nur schaffen? Im ersten Berufsjahr meiner Freiberuflichkeit. Ein halbes Jahr Zeit, um Auftragskunden außerhalb der Pauschalistenstelle zu akquirieren, Rücklagen zu bilden, in die Künstlersozialkasse zu kommen und irgendwie den Steuer-. Versicherungs- und Buchhalter-Durchblick zu bekommen im Freien-Dschungel. Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Ich wollte nie selbstständig arbeiten. Das Ende des Volontariates brachte aber auch keine wirkliche Alternative für mich.

Und nun ein Baby. In der Schwangerschaft schuftete ich panisch bis über den Mutterschutz hinaus, um der Existenzangst etwas entgegenzusetzen. Dank meines Mannes wäre das gar nicht nötig gewesen, aber um meiner Selbst Willen musste es sein. Ich konnte und wollte nicht zulassen, dass das Kind meine Karriere beendete noch bevor sie begann. Kann man sich so auf ein kleines Wunder freuen? Wohl kaum.

Die DJV-Umfrage unter freien Journalisten ergab, dass die Anzahl der Freiberufler unter 30 Jahren in Thüringen doppelt so hoch ist als im Bundesdurchschnitt. Wundert mich nicht. Nach dem Volontariat oder Studium heißt es in Thüringen erst einmal vogelfrei um die Existenz kämpfen. Die wenigsten wollen da noch Familie gründen, geschweige denn in Thüringen bleiben. Dafür spricht auch das Ergebnis der Umfrage. Über 68 Prozent haben Kinder, 70 Prozent der Eltern haben erwachsene Kinder. 77 Prozent arbeiten wegen der Kinder nicht weniger. Die sind in den meisten Fällen ja auch schon erwachsen, wohnen vielleicht nicht mehr im Elternhaus.

An der Umfrage nahmen leider nur sehr wenige Freie teil. Die Ergebnisse sind Schlaglichter, einzelne Aussagen und nicht repräsentativ. Dennoch stecken interessante Einblicke in den Antworten. Die Themen Kinderbetreuung und Arbeitszeit spielen etwa kaum eine Rolle, denn sie scheinen für die Befragten nicht mehr relevant. Bedenkt man die Anzahl der Freien unter 30 Jahren, schließe ich daraus, dass kaum einer in gerade dieser Gruppe Kinder hat. Dafür sprechen auch andere Ergebnisse. Die Mehrheit der Freien arbeitet zum Beispiel nachts und am Wochenende, einige sogar im nicht bezahlten Urlaub. Hat die Gruppe der unter 30-Jährigen, freiberuflichen Journalisten Kinder, so weiß ich nicht, wer mir mehr leidtun sollte. Die Kinder oder die selbstständigen Elternteile.

Nach meiner Elternzeit bin ich wieder in den Beruf eingestiegen. Ideen habe ich viele. Sie brauchen viel Einsatz, Mut, Ausdauer und die Bereitschaft, auch einmal zu scheitern. Gleiches gilt auch für die Erziehung meines Kindes, die mit meinem Berufseinstieg ja nicht aufhört. Ich bin gespannt, wo ich für alles die Kraft hernehmen werde.

Es wird erwartet, dass ich mich wieder reinhänge wie vor und in der Schwangerschaft. Neun bis zehn Stunden am Tag, auch am Wochenende. Das wird nicht gehen. Kinder werden krank und damit auch die Eltern. Ich werde diejenige sein, die das abfedern wird, denn mein Mann sorgt für unseren Lebensunterhalt.

Ausschließlich Mutter sein, will ich nicht. Ich will eine gute Mutter sein und dazu gehört für mich ein Beruf, der mich ebenso erfüllt wie das Lächeln meines Kindes. Journalismus ist und bleibt ein Traumberuf für mich. Aufgeben will ich ihn (noch) nicht wie viele andere. Das klingt für manch einen vielleicht naiv. Ich aber habe gelernt, dass es sich lohnt, naiv an manche Dinge zu gehen. Sonst hätte ich mich nie getraut, meinen Kinderwunsch anzugehen. Ich hätte dann nicht dieses wunderbare Wesen um mich, das mir den Tag bereichert und zeigt, dass es Wichtigeres gibt als diffuse Existenzängste. Bereut habe ich den Schritt nie.

Ich schaue meinem Kind zu, wie es gerade laufen lernt. Ein Tapser nach dem anderen. Vorsichtig, wackelig und mit Stürzen verbunden. Es steht immer wieder auf und macht weiter. Schritt für Schritt. So werde ich es auch machen. Ja, mein zehn Monate altes Kind ist mir ein gutes Vorbild für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir lernen quasi beide. Ganz naiv, ganz ohne Angst.

„Ich war echt sauer, dass sie sich bei mir nicht mehr gemeldet haben“ knallte mir eine Thüringer Lokalredakteurin an den Kopf und ich konterte: „Und ich war sauer, dass ich für drei Stunden Arbeit und 23 km Fahrt ein Honorar von 10 Euro erhielt. Das war so nicht abgesprochen! Eine weitere Zusammenarbeit kommt für mich nicht mehr in Frage.“

(ls) An diese Episode, gleich nach meinem Start in die Selbstständigkeit, musste ich denken, als ich die Ergebnisse der Umfrage unter den Freien las. Staunend nahm ich zur Kenntnis, dass das monatliche Einkommen der Freien in Thüringen bei 2.123 Euro liegt. Freie, die hauptsächlich für Tageszeitungen arbeiten, kommen „nur“ auf 1.395 Euro monatlich.

So viel?! In manchen Monaten konnte ich gerade so die Krankenversicherung zahlen und lebte von Rücklagen!

Und nicht nur einmal fiel ich in den vergangenen fünf Jahren als Journalistin gewaltig auf die Nase. Der größte Hammer war, dass mir ein Journalist beim sid (Sportinformationsdienst) ein Interview mit Betty Heidler klaute und es an 13 Medien verhökerte. Tausende Euro gingen mir durch die Lappen und damals wusste ich noch nicht, dass mir der DJV hätte helfen können.

Ich schmollte, verfluchte die Branche und schwieg. Heute würde ich kämpfen. Heute lehne ich Angebote ab, die nicht mal unter Aufwandsentschädigung verbucht werden könnten. Damals dachte ich, ich muss den CvDs nur beweisen, dass ich gut bin, dann zahlen die freiwillig ein angemessenes Honorar. Was für ein Irrtum! Nach mir folgten reichlich Berufseinsteiger, die dem gleichen Irrtum erlagen und die Dumpingpreise (er)dulden.

Es fehlte nicht viel und ich hätte aufgegeben. Ich kam einfach nicht aus dem Teufelskreis heraus. Wie auch? Es sind nicht nur die Berufseinsteiger, die die Honorare drücken. Es sind auch Bürgerreporter, die freiwillig die Seiten füllen und sich freuen, ihren Namen zu lesen.

Es ist auch das Spardiktat in allen Redaktionen, das sich in schwindender Qualität journalistischer Inhalte widerspiegelt. Sicher fällt dem Leser noch mehr ein…

Ohne das Angebot einer Festanstellung wäre ich wohl in den Untiefen irgendeiner Firma, Behörde oder Verwaltung versumpft. Ich habe das Glück, nun unter Arbeitsbedingungen schreiben zu dürfen, die wahrlich ideal sind. Aber ich weiß, damit bin ich eine Ausnahme.

(rl) Ab Herbst will die Funke-Gruppe zusätzlich zu den Online-Portalen der Tageszeitungen kostenlose Regionalportale im Netz platzieren. Über das Angebot an junge Mediennutzer, die wahrscheinlich nichts mit dem Holzmedium am Hut haben, äußerte sich der künftige Online-Chef Stephan Thurm im Gespräch mit Kress.de

(hb) Der DJV will zukunftsfähiger werden. Konkret bedeutet das, dass im Fachausschuss Rundfunk nicht mehr 24 Mitglieder zusammen arbeiten sollen sondern zwölf. Denn zwölf arbeiten effizienter als 24. Bisher war aus jeder ARD-Anstalt jemand da, dazu die KollegInnen vom ZDF, der Deutschen Welle und der privaten Sender – meist Personalräte und Betriebsräte, also KollegInnen, die sich hauptberuflich mit den Problemen der Journalistinnen in Rundfunk und Fernsehen beschäftigen. Wenn nur noch zwölf Leute zum Fachausschuss kommen sollen, dann würde ein Vertreter vom MDR ausreichen – und das wäre nicht ich sondern ein Hauptberuflicher oder zumindest ein Festangestellter. Ist das ein Problem? Bei den Treffen haben wir uns über die Sparprogramme der Sender informiert und die Tarifverhandlungen vorbereitet. Für mich ist natürlich interessant, was ARD-weit läuft. Ich hatte allerdings erwartet, dass ich Anregungen zu Aktionsformen bekomme. Wir beim MDR streiken ja gerne, aber wir hatten auch zwei Mal aus Protest einen “schwarzen Tag”, wo fast alle KollegInnen in schwarzer Kleidung zur Arbeit gekommen sind. So etwas war nie Thema beim Fachausschuss Rundfunk. Auch sind die anderen ARD-Anstalten offenbar streikunlustiger, haben Keinen besonders hohen Organisationsgrad. Die Treffen vom bundesweiten Fachausschuss Rundfunk haben mir für die Arbeit in Sprecherrat (Vertretung der Freien Mitarbeiter im MDR), im Fachausschuss Rundfunk in Thüringen und im Thüringer DJV-Vorstand wenig gebracht. Wenn ich Informationen von KollegInnen aus anderen ARD-Anstalten haben möchte, kann ich sie auch direkt anrufen. Die Strukturreform im DJV führt dazu, dass ich mir pro Jahr zwei bis drei Tage ehrenamtliche (unbezahlte) Arbeit spare.

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