Der DJV Thüringen fordert die Geschäftsführung der Mediengruppe Thüringen auf, das Redaktionskonzept mit dem Personal umzusetzen, das derzeit in den beiden Zeitungsverlagen beschäftigt wird. Die Pläne der Geschäftsführung sehen vor, dass gerade einmal 11 Redakteurinnen/Redakteure die Lokalredaktionen verstärken sollen. Dem steht ein Abbau von insgesamt 94 Stellen gegenüber.

Mit einem Drittel weniger Personal soll der Auflagenrückgang zumindest verlangsamt werden. Wer glaubt angesichts der bisherigen Erfahrungen an solche Verheißungen?

Ein Chefredakteur musste gehen, weil er eine kritische Haltung zur Installation eines News-Desks hatte. Damit lag er so falsch nicht, weil die als Sparmodell gedachte Umstrukturierung nun wieder rückgängig gemacht wird.
Eine Geschäftsführerin musste “aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die strategische Ausrichtung” den Schreibtisch räumen. Ihr Nachfolger stand bereits vor der Tür.
Anfang des Jahres traf es den TLZ-Chefredakteur, der wegen “unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Entwicklung der Zeitung” den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam. Nur ein kleiner Ausschnitt des Kommen und Gehens beim größten Medienarbeitgeber Thüringens. Kontinuität sieht anders aus.

Der DJV Thüringen wird nun mit den Betriebsräten und den Beschäftigten alle Handlungsmöglichkeiten nutzen, die Sparorgie zu verhindern.
Übrigens: Nach dem Gesetz ist der Arbeitgeber zur rechtzeitigen und umfassenden Information des Betriebsrats über die Personalplanung, insbesondere über den gegenwärtigen und künftigen Personalbedarf sowie über die sich daraus ergebenden personellen Maßnahmen verpflichtet. Der Gesetzgeber meint damit etwas anderes, als es der Arbeitgeber heute mit der Bekanntgabe seiner strukturellen Veränderungen praktiziert hat.

Gemeinsam mit dem Bundesverband haben wir heute eine Pressemitteilung veröffentlicht. Und das ist die Pressemitteilung der Geschäftsführung.

2 Kommentare zu “Guter Journalismus funktioniert nicht mit weniger Redakteuren”

  1. clou66am 25.02.2016 um 17:56

    In der morgigen Ausgabe von “Oscar am Freitag” äußern sich der ehemalige Chefredakteur der Thüringer Allgemeine, Sergej Lochthofen, und der ehemalige Ressortleiter und Lokalchef in Arnstadt, Eberhardt Pfeiffer.

    Lochtofen: „Eine Regionalzeitung lebt davon, dass sie von Seite 1 oben links bis Seite 32 unten rechts darüber berichtet, was
    das Geschehen auf der Welt mit der eigenen Region zu tun hat.“

    Das weiß man in Berlin und Essen natürlich besser.

    Pfeiffer: „Meine Zeitung wird gerade endgültig kaputt gemacht.”

    Stimmt, aber tatenlos zusehen?

  2. Eva-Maria Kasimiram 07.03.2016 um 01:03

    @clou66: Was sollen die zwei denn machen, Deiner Meinung nach? Ich rechne es Ihnen hoch an, dass sie sich derart klar zu den Sparprozessen äußern. Aber sie sind raus. Können doch nix mehr tun.

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