Archiv für die Kategorie 'Mut-Macher'

(ra). Für den Montagmorgen sicher nicht die leichteste Kost. Aber weil der Journalist mit seinen Aufgaben wächst, hier ein Tipp des “Medium Magazins” (via Facebook übermittelt – ein durchaus sinnvolles und nutzbringendes Netzwerk, liebe Ignoranten!), die auf der Online-Ausgabe des “Rheinischen Merkurs” (veröffentlicht am 12. August) ein Interview mit Prof. Stephan Weichert fanden.

Unter dem Titel  „Zu viel Lamento, zu wenig Experimente“ macht er sich Gedanken über das künftige Berufsbild des Journalisten und ortet strategische Fehler von Verlagen:

“Sicher, Journalisten halten Handwerksregeln und berufliche Kodizes ein, die Laien nicht für sich beanspruchen. Aber sie müssen sich noch beherzter vom Meinungsmacher und Weltendeuter zum Moderator und Katalysator von Nutzerinteressen entwickeln.”

Veröffentlicht wurde das Interview am 12. August, aber es lohnt sich auch, die weiteren Beiträge in der Reihe “Merkur Spezial – Die Zeitung lebt” zu lesen – eine Übersicht am Ende des Interviews gibt Auskunft.

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Zeitungen – Produkt für Eliten?

Gensfleisch war’s.

Gensfleisch, genannt Gutenberg, verschaffte dem Wort Macht. Gedruckte Macht. Der gute Johannes löste damit eine Medienrevolution aus.

Könnte es sein, dass wir gerade Zeitzeugen der nächsten werden? Beamen uns fast 600 Jahre nach den beweglichen Lettern jetzt die iPads & Co. in ein neues Raum-Zeit-Kontinuum?

Indizien dafür mögen sein, dass selbst Nokia heute – am Tag Fünf nach iPad – versprach, nicht – wie beim iPhone – zwei Jahre zu warten, um seine Interpretation des Apple-Wunderflunder zu präsentieren.

Gutenbergs Erfindung machte Massen wissend. Und damit alte Herrschaftssysteme obsolet. Die aufgeklärte Menschheit der Renaissance wäre ohne den stetig schwellenden Strom von Druckwerken, die Wissenserwerb der Allgemeinheit ermöglichte, nicht denkbar gewesen.

Gut 600 Jahre später hat sich Information länger schon ihrer materiellen Fessel entledigt. Das feiern nicht nur Nerds (wie die englische und nette Umschreibung für Computerfreaks lautet bzw. was als Akronym laut “Süddeutscher Zeitung” für “Non Emotionally Responding Dude” – engl.: auf emotionaler Ebene nicht ansprechbarer Typ – steht).

Wie dem auch sei: Selbst 2010 könnte man sich benehmen, wie einst die französischen Landarbeiter, die ihre Holzschuhe in die Mäh- und Dreschmaschinen warfen, um dem technischen Fortschritt Paroli zu bieten,

Tatsache ist aber, dass “die Massen” ihre Gewohnheiten ändern, sich zu informieren. Nicht nur bei Jüngeren wandeln sich Kommunikations-Bedürfnisse und es wächst deshalb mehrheitlich auch die Bereitschaft, andere als bisher favorisierte “Kanäle” dafür zu nutzen. Das MUSS man berücksichtigen.

Sonst gilt: “Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.”

Schellack zerbrach nicht nur an der robusteren Vinyl. Die CD wiederum eroberte erst die Welt im Sturm, um wenig später in dem der mp3-Downloadflut unterzugehen.

Und gedruckte Zeitungen…!? Gedruckte Zeitungen sind vielleicht in 20 Jahren schon das elitäre Statussymbol von Traditionalisten, von Puristen, von Eliten.

Vielleicht auch deshalb, weil sie sich eben nur noch solche “Rand”gruppen leisten können.

Weil die sie sich leisten wollen.

Übrigens: BDZV-Präsident Helmut Heinen malt in seinem Interview mit der “Stuttgarter Zeitung” ein solches Zukunftsbild…

(ra – der Text ist eine “Leihgabe” aus meinem Blog…)

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Hype um Apples iPad

“Das Web ist ein entfernter Verwandter der Zeitung, das iPad sein Bruder.”

Zeitungsdesigner Mario Garcia setzt im Interview mit bild.de unter dem Titel “Ist das iPad die Zeitung der Zukunft, Dr. Mario Garcia?” Apples neues Wunder-Tablett mit der Entwicklung des Farbdrucks gleich – hier zu finden.

(ra). Das ist schon beeindruckend: Apple hat 300.000 iPads am ersten Verkaufstag absetzen können. Die neuen iPadophilen saugten damit eine Million Apps und über 250.000 E-Books von den Apple-Servern. Analysten meinen sogar, dass am Osterwochenende bis zu 700.000 der neuen Generation von Computern über die Ladentische gegangen sein sollen. Dagegen wirkt der damalige Hype ums iPhone (270.000 Verkäufe) harmlos…

Die wirklich erstaunlichste Nachricht des Tages kommt aber aus Frankreich: “Le Monde”, wie andere Zeitungen in schwerem Fahrwasser, wandelt ihr Erscheinungsbild so, dass es iPad-tauglich wird und will zudem eine spezielle Ausgabe für das neue Apple-Wunderding herausgeben, Die gedruckte Zeitung hingegen soll zum Hintergrundmedium werden.

(Mehr dazu hier!)

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Würden Print-Journis das Web lieben…

(ra) Auf www.turi2.de findet sich heute der Hinweis auf den 3. Teil der Serie auf www.sueddeutsche.de – herausgegeben von Stephan Weichert und Leif Kramp -, in der sich angesehene Publizisten mit der Frage befassen, ob und wie der Journalismus zu retten ist. Diesmal macht sich Stefan Niggemeier Gedanken: Er beschreibt eine Welt, in der Print-Journalisten die Chancen des Internets begreifen und aufhören, das Web als “Heimat für Betrüger und Perverse” zu denunzieren… Lesen lohnt!

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Tritt in den Hintern

Man muss Manfred Bissinger nicht mögen. Aber das lesen, was er zu sagen hat, sollte man schon: Unzufrieden mit dem, was die üblichen Verdächtigen im Journalismus derzeit fabrizieren, sind nicht nur er, etliche Leser, sondern wohl auch einige Kolleginnen und Kollegen. Deshalb tut sein Tritt in den Hintern der wohlfeilen Wortschleudern und saturierten Systemlords gut.

Stephan Weichert und Leif Kramp lassen auf sueddeutsche.de Provokatives zu… (ra)
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Sergej Lochthofen“Wir schreiben immer mehr für Eliten. Also müssen wir in gute Redakteure investieren, die gute Geschichten schreiben können.”

Sergej Lochthofen, geschasster Chefredakteur der “Thüringer Allgemeinen”, bei der Verleihung der “Medium Magazin”-Journalistenpreise laut turi2.de. (ra)

(ra) Nettes Fundstück aus dem www: Der “elektrische Reporter” berichtet aus der Welt der Massenmedien, die eine der Medienmassen geworden ist. Das Internet habe die ökonomische Basis von Medien und Journalismus auf den Kopf gestellt – nicht mehr Berichterstattung sei ein rares Gut, sondern die Aufmerksamkeit des Publikums. Folgen: Auflagen und Anzeigenerlöse gehen in den Keller und können kaum durch Online-Werbung kompensiert werden. Wie also soll Journalismus künftig finanziert werden?

Ein anregender Diskussionsbeitrag – immer noch aktuell, auch wenn er vom 2. Oktober 2009 ist :-)!

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Elitz’ edle Thesen

Journalismus muss besser werden, fordert Deutschlandradio-Gründungsintendant Ernst Elitz. In der “Berliner Zeitung” stellt er deshalb zwölf Thesen zur Debatte. Unter anderem gehöre “jeder Sprach-Vergewaltiger auf ein journalistisches Fahndungsplakat” und verdummen nicht die Medien das Publikum, “sondern das Publikum macht die Medien so dumm”. Elitz’ Text findet sich hier – absolut lesenswert und zur Debatte anregend! (ra)

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72 und kein bisschen leise…

Enthüllungsjournalist Seymour Hersh arbeitet auch mit 72 Jahren noch, um “die Mächtigen wissen zu lassen, dass sie kontrolliert werden”. Ein Porträt der “Neuen Zürcher Zeitung” jenes Amerikaners, der das Massaker von My Lai während des Vietnamkriegs und den Folterskandal in Abu Ghraib aufdeckte, findet sich hier! (ra)