Archiv für das Tag 'OTZ'

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Verarmung des kulturellen Diskurses

(rl) Der Kulturrat Thüringen beklagt den kaum noch vorhandenen publizistischen Wettbewerb bei den Zeitungstiteln der Zeitungsgruppe Thüringen: Thüringer Allgemeine, Thüringische Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung. Die vor zwei Jahren begonnenen Umstrukturierungen würden sich negativ auf die Vielfalt der Medienlandschaft im Freistaat und den Meinungspluralismus auswirken. Der Austausch von Artikeln zwischen den einzelnen Zeitungstiteln führt zu unerwünschten Monopolstellungen. Redaktionelle Absprachen zu Terminen haben in der Praxis zur Folge, dass nur noch ein Theaterkritiker zur Premiere oder anderen Aufführungen kommt.

Steffen Mensching, Intendant des Theaters Rudolstadt, wird in seinem Brief an den Kulturrat noch deutlicher. Mit den Veränderungen im Profil und Erscheinungsbild von TA, TLZ und OTZ ginge  – entgegen allen Lippenbekenntnissen – eine Herabstufung des Stellenwerts der Kultur einher.

“Zudem scheint die gegenwärtige Praxis dahin zu tendieren, dass Theaterkritiker künftig nur noch in jene Standorte fahren werden, die im „direkten Verbreitungsgebiet“ der jeweiligen Zeitung liegen. Man zeichnet sich also nicht mehr für die Kultur im Kulturland verantwortlich, sondern nur noch für regionale Kulturräume. Ein solches Verhalten befördert Provinzialismus, verhindert Vergleich und eine anzustrebende kulturelle Vernetzung im Land. Für die Kulturbetriebe, namentlich die Theater des Freistaats, bedeutet das, dass die Begleitung durch die Presse immer mehr an Vielfalt einbüßt und zur Einstimmigkeit tendiert.”

Dem Kulturrat Thüringen gehören an:

  • Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband,
  • Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen,
  • Verband Bildender Künstler Thüringen,
  • Thüringer Literaturrat,
  • Museumsverband Thüringen,
  • Landesmusikrat Thüringen,
  • LAG Soziokultur Thüringen,
  • Deutscher Bühnenverein Landesverband Thüringen.

(ra) Es ist wie bei der wundersamen Vermehrung der fünf Gerstenbrote und zweier Fische zur Speisung der Fünftausend (Johannes-Evangelium, 6,1-15).

Deshalb danke ich TA-Chefredakteur Paul-Josef Raue. Gibt er mir doch die Hoffnung zurück. Weil er sich mannhaft wehrt. Gegen Pessimismus.

Der schlaue Raue bewies das am 30. Juli. Da verkündete er öffentlich, dass TA, TLZ und OTZ  940.000 Menschen in Thüringen erreichen. Und das mit gerade einmal 288.381 Abos.

Der Clou: Die ZGT-Titel verloren zwar binnen Jahresfrist rund 8.000 Abos (siehe Repro IVW-Auswertung), erreichten dafür aber 20.000 Menschen mehr. Die Reichweiten-Gurus der Arbeitsgemeinschaft media Analysen e. V. lieferten diese Zahlen. Deshalb darf man Raues Angaben uneingeschränkt glauben. (1)


Sie sind umso imposanter, weil Thüringen jährlich rund 20.000 Bewohner verliert und dieser Trend ungebrochen anhalten wird. Die Thüringer Landesstatistiker prognostizierten deshalb unlängst, dass der Freistaat 2030 um die 1,8 Mio. Einwohner haben wird. (2)

Macht die ZGT also so erfolgreich weiter wie bisher, werden wir Augenzeuge einer Sensation: 2030 könnten nämlich die drei Titel dann mit gerade einmal 136.000 Abos (19 Jahre x 8.000 Rückgang) sage und schreibe 1,32 Mio. Menschen (19 Jahre x 20.000 Plus an Reichweite) erreichen.

Was für ein Ergebnis!

Mein Tipp daher heute schon an die Freien: Lasst Euch nicht weiter mit IVW-Auflagenzahlen abspeisen! Beruft Euch beim Berechnen Eurer Honorare auf die Raue-Reichweite …

P.S. Noch ein paar Worte zur Arbeitsgemeinschaft media Analysen e. V.: Nach eigenen Angaben erfolgen die Erhebungen zur Reichweite nahezu identisch mit Fragebögen und der Methodik aus den frühen 1990er Jahren.
Sie erfragen also NICHT, ob ein Interview-Partner eine Zeitung abonniert hat.
Sie erfragen auch NICHT, ob der Bezug zu einer Zeitung entstand, weil der Interviewte deren Druckausgabe oder ein ePaper las, die Homepage besuchte oder über Social Media aufmerksam wurde.
NICHT gefragt wird auch, ob der Kontakt täglich oder wenigstens regelmäßig ist …

(1) „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Das schreibt der Volksmund Winston Churchill zu, auch wenn das nicht belegt ist. Plausibler scheint, dass es sich um eine Spätfolge Goebbelsscher Propaganda handelt. Die stellte Churchill oft als Lügner hin, um z. B. britische Angaben zu Erfolgen im Zweiten Weltkrieg in Frage zu stellen. Möglich, dass dies in der Nachkriegszeit im Gedächtnis blieb (siehe Werner Barke: Churchill: »Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe…«, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Monatsheft 2004-11)

(2) http://www.statistik.thueringen.de/analysen/Aufsatz-11b-2010.pdf

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Die Bindersleber Depesche

(ag) Schon wieder Hiobsbotschaften von der Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT). Plötzlich kursierte ein Brief der Geschäftsführung an alle Mitarbeiter. Nur tauchte der nicht bei den Mitarbeitern auf, jedenfalls nicht direkt. Stattdessen wurde er im Intranet veröffentlicht – eine Plattform, die die meisten Kollegen allenfalls nutzen, um Telefondurchwahlen oder die Speisepläne der Cafeteria zu recherchieren. Irgendwie nahm irgendwer aber dann doch Notiz vom Schreiben und sorgte dafür, dass es alle anderen auch taten: Denn was dort stand, war alles andere als beruhigend.

Im Kern: Ein großer Werbekunde sei abgesprungen, die Papierpreise hätten sich eklatant verteuert, schwere Zeiten kämen (mal wieder) auf die ZGT zu. Schwere Zeiten, denen man nur teilweise mit gravierenden Einschnitten beikommen könne.

Der Rest blieb das bekannte Sonntagsreden-Bla-Bla: Gemeinsam werde man das aber schon schaffen … mit Kreativität und Fleiß … wenn alle an deinem Strang … und so weiter.

Wo genau diese Einschnitte stattfinden werden und welcher Art sie sein werden, ließen die ZGT-Geschäftsführer Klaus Schrotthofer und Dr. Martin Jaschke offen. Jedenfalls in diesem Brief.

Inzwischen ist auch das geklärt, denn Gott sei Dank unterhält man sich trotz aller Depressivität doch noch miteinander. So tat der Flurfunk kund, dass die Poststelle zum 1. September geschlossen werden solle, im Anzeigenbereich und bei den Leserreisen hat es offenbar bereits Entlassungen beziehungsweise keine Vertragsverlängerungen mehr gegeben. Andere Abteilungen sollen angeblich die Ansage erhalten haben, auf drei Mitarbeiter oder jeder einzelne auf 20 Prozent Gehalt verzichten zu müssen.

In den Redaktionen ist von Streichungen noch keine Rede: Wie auch; OTZ und TLZ sind kaum mehr zu dezimieren und in der TA hat das in den vergangenen Monaten ja auch ohne erhöhte Papierpreise und abspringende Werbekunden ganz gut geklappt. Trotzdem machen sich auch die Kolleginnen und Kollegen dort Sorgen. Es herrscht Wut, Trauer, Hilf- und Ratlosigkeit. Die Phrasen vom gemeinsamen Aufbruch, dem Durchstehen harter Zeiten klingen da eher zynisch als motivierend.

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Anita Grasse neue DJV-Landesvorsitzende

Stabwechsel: Nach 15 Jahren Amtszeit folgt auf Wolfgang Marr Anita Grasse. Sie ist die neue Vorsitzende des DJV Thüringen. Die 27-Jährige arbeitet als freie Journalistin und ist seit zwei Jahren Mitglied des Landesvorstands. Als Stellvertreter gewählt wurden Wolfgang Marr und Heidje Beutel. Beisitzer sind Marina Hube, Rainer Aschenbrenner und Britt Mandler, als Schatzmeisterin wurde Petra Beck bestätigt.

Getagt wurde In Bad Langensalza. Diskutiert u. a. – mit heißem Herz und kühler Analyse! – darüber, dass guter Journalismus kritisch, kreativ und für die Meinungsbildung in einer Demokratie unverzichtbar ist. Aber für Qualitätsjournalismus brauche man hervorragend ausgebildete Journalisten, denen die Zeit gelassen wird, ihrer Aufgabe nachzugehen, und die angemessen, entsprechend Qualifikation, bezahlt werden. Dafür setzt sich der Landesverband Thüringen des Deutschen Journalisten-Verbandes ein, dafür stritt er auch auf seinem diesjährigen Landesverbandstag.
Voraussichtlich ab Mai bekommen “Ostthüringer Zeitung” und “Thüringer Allgemeine” einen gemeinsamen Mantel, der in Erfurt produziert werden soll. Der Landesverbandstag wandte sich gegen den schleichenden Stellenabbau in den Redaktionen. Für die Kollegen, die noch in den Redaktionen arbeiten, führe das zu einer ständig steigenden Arbeitsbelastung. „Dabei gibt es für den Stellenabbau keine wirtschaftliche Notwendigkeit. Gerade die TA hat immer profitabel gearbeitet“, sagte Sergej Lochthofen, Ex-Chefredakteur der TA, in der Diskussion auf dem Landesverbandstag.
Auch die Entwicklungen in anderen Redaktionen Deutschlands betrachteten die Teilnehmer des Landesverbandstages mit Sorge. Mehr als die Hälfte der Redakteurinnen/Redakteure der “Frankfurter Rundschau” soll entlassen werden. Der Mantel dieser renommierten Zeitung soll künftig vom Schwesterblatt “Berliner Zeitung” zugeliefert werden. Journalistische Vielfalt ade.
Der Landesverbandstag verabschiedete eine Resolution, um seine Solidarität mit den
betroffenen Kolleginnen und Kollegen zu bekunden und forderte die Gesellschafter auf, die Entlassungen zurückzunehmen.
Aber auch die eigene Verbandsarbeit wurde in der Mitgliederversammlung diskutiert. So soll die Kommunikation innerhalb des Verbandes und mit den Mitgliedern weiter verbessert werden. In den sozialen Medien wie Twitter und Facebook ist der Landesverband bereits präsent (Twitter: DJVThueringen, Facebook: DJV Thüringen). Diesen Zielen haben sich alle neu gewählten Vorstandsmitglieder verpflichtet und setzen dabei auf das gemeinsame Tun von jungen und erfahrenen Kollegen.

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Entblätterung hält an

(ra). Frisch aus dem Ticker – die aktuellen IVW-Daten: Die Tages- und Wochenzeitungen haben weiter rückläufige Gesamtauflagen. Neue Titel verschaffen der Publikumspresse ein leichtes Auflagenplus. Die Fachpresse bleibt stabil. Bloß die Kundenzeitschriften legen zum Vor-Quartal 2,8 % zu.

Tages- einschließlich ihrer Sonntagsausgaben und der Sonntagszeitungen verkauften im dritten Quartal pro Erscheinungstag 22,55 Mio. Exemplare. Sie verlieren zum Vorquartal rund 1,3 % Auflage (2/2010: 22,84 Mio. Stück). Einzelverkäufe am Kiosk bleiben bei täglich 6,75 Mio. Exemplaren stabil.

Thüringen:

Die ZGT-Titel TA, TLZ und OTZ haben aktuell 292.545 Abonnenten. Das sind 3.557 Abos weniger (-1,20 %) zum 2. Quartal 2010 und 9.569 Abos (-3,18 %) zum 3. Quartal 2009 (302.114 Abos).

Auch in Gotha hält der Trend an: TA und TLZ haben im 3. Quartal 2010 20.120 Abos und damit 712 Abos weniger (-1,03 %) zum 3. Quartal 2009 (20.832).

Die Südthüringer Presse (“Freies Wort”, “Südthüringer Zeitung” und “Meininger Tageblatt”) verliert 1.395 Abonennten (-1,01 %) zum Quartal zuvor und fällt mit 99.750 erstmals unter die 100.000er Grenze an Abos. Im 3. Quartal 2009 hatte man noch 103.252 Abos – 1,03 % mehr als heute.

Recht tapfer hält sich dabei das “Meininger Tageblatt” mit derzeit 11.386 Lesern. das sind 138 weniger als im 2. Quartal und 398 weniger als im 3. Quartal 2009.

Mehr Details zu Auflagen nach Orten etc. finden sich auf der IVW-Homepage!

(ra). IVW hat die Auflagenzahlen für das 2. Quartal veröffentlicht: Demnach haben die ZGT-Titel TA, TLZ und OTZ derzeit 296.102 Abonnenten.

Das sind noch einmal 1,1 % weniger im Vergleich zum 1. Quartal 2010 und -3,59 % zum 2. Quartal 2009 (307.121 Abos; -11.019 Exemplare).

Das Minus beim Abo (20,60 Euro/monatlich bisher) bedeutet allein monatliche Mindereinnahmen von rund 230.000 Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum …

Zum 1. Juli 2010 wurde der Copy-Preis auf 21,80 Euro erhöht. Das spült trotz Abo-Rückgang zunächst monatlich rund 290.000 Euro mehr in die ZGT-Kassen. Aller Erfahrung nach folgt aber auf eine Preiserhöhung eine größere Abbestellungswelle. Mehr weiß man also erst in drei Monaten …

Auch in “meinem” Gotha hält der Trend an: TA und TLZ haben im 2. Quartal 2010 20.360 Abos und damit -3,73 % zum 2. Quartal 2009 (21.149). Das 2. Quartal 2008 bescherte der ZGT noch 22.007 Abos – im Vergleich zu den aktuellen Zahlen waren das 7,48 % mehr.

Allein rund 16.500 Euro Abo-Gebühren jeden Monat fehlen demnach aktuell – bezogen auf das 2. Quartal 2009. Hoch gerechnet aufs Jahr ist das ein Minus von etwa 195.000 Euro.

Der Vollständigkeit halber ein Blick über den Rennsteig und zur Südthüringer Presse (gibt “Freies Wort”, “Südthüringer Zeitung” und “Meininger Tageblatt” heraus). Auch hier scheint der Abwärtstrend unaufhaltsam, aber deutlich langsamer. Im 1. Quartal hatten die Titel 101.145 Abonnenten, im 2. Quartal sind es 102.103 (-0.94 %). Dramatischer wird es natürlich, wenn man mit den Abo-Zahlen vom 2. Quartal vor zehn Jahren vergleicht: 2000 lagen die bei 131.066 und damit 23.8 % höher als aktuell.

Mehr Details zu Auflagen nach Orten etc. finden sich auf der IVW-Homepage (www.ivw.de)!

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ZGT-Titel: Auflage fällt weiter

(ra). IVW hat aktuelle Quartalszahlen veröffentlicht: Demnach haben die ZGT-Titel TA, TLZ und OTZ derzeit 299.398 Abonnenten.

Das sind 3,66 % Rückgang im Vergleich mit dem 1. Quartal 2009 (310.768 Abos) und um 7,61 % zum 1. Quartal 2008 (324.048 Abos).

Die Dramatik des Auflagenrückgangs macht ein Blick ins 1. Quartal 2000 deutlich: Vor zehn Jahren waren es noch 463.652 Abonnenten und damit 35.43 % mehr als heute.

Mehr Details finden sich auf der IVW-Homepage!

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Beam me up, Schrotti!

(ra) Na also! Für kress.de hat ZGT-Boss Klaus Schrotthofer einen Blick in die Kristallkugel, pardon; in eine Zukunft geworfen, wie er sie sich für seine Branche vorstellt.

“Viele Journalisten sind noch der irrigen Ansicht, Online sei nur eine Verlängerung ihres eigenen Schreibtisches. Sie übersehen dabei, dass sich das Medium Online längst von seinen Print-Ursprüngen emanzipiert.”

Nun, es ließe sich trefflich streiten, ob tatsächlich “viele Journalisten” meinten, dass das WehWehWeh eine neue Dimension ihres Schreibtisches sei.

Sicher aber ist: Eine neue Ei-Huhn-Debatte zu starten und den Print-Medien die Vater- oder – der Emanzipation zuliebe – Mutterschaft zuzuschanzen, bringt nicht weiter.

Kress-Autor Christian Meier jedenfalls adelt Schrotthofer für seine Sicht zum “Internet-Evangelisten”. Und er verbreitet gern auch die kleine Unwahrheit, dass die ZGT die “Websites (!) von ,Thüringer Allgemeine’, ,Ostthüringer Zeitung’ und ,Thüringische Landeszeitung’ vollkommen überarbeitet” habe.

Hätte Meier sich selbst ein Bild gemacht, wäre auch ihm der Etikettenschwindel “Aus drei mach eins…” aufgefallen.

So aber kann man es Meier auch nicht verübeln, dass er sich von Schrotthofer soufflieren ließ, wonach die Regio-Desks “es den Redakteuren wieder ermöglichen, draußen zu recherchieren und mehr für Online zu schreiben“. Na gugge ma!!

Und diesen Schrotthofer-Plan muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

“So schnell wie möglich wollen wir mehr als die Hälfte der Beiträge im Internet originär produzieren.”

Achtung! Das war kein Aprilscherz! Der Beitrag erschien schließlich am 31. März…

Jawoll! Kannibalisierung als Methode. Deshalb wird es künftig noch weniger Sinn machen, ein Abonnement zu bezahlen, wenn das “originäre” eh online steht.

Aber Schrotthofer bleibt sich eben treu. Man erinnere sich an diesen Satz:

“In der gedruckten Zeitung gibt es Texte und Bilder, im Internet finden unsere Leser vertiefende und weiterführende Informationen.”