Archiv für das Tag 'Zukunft'

joint – Journalisten in Thüringen

Prof. Weichert: “Zu viel Lamento” bei Journalisten

(ra). Für den Montagmorgen sicher nicht die leichteste Kost. Aber weil der Journalist mit seinen Aufgaben wächst, hier ein Tipp des “Medium Magazins” (via Facebook übermittelt – ein durchaus sinnvolles und nutzbringendes Netzwerk, liebe Ignoranten!), die auf der Online-Ausgabe des “Rheinischen Merkurs” (veröffentlicht am 12. August) ein Interview mit Prof. Stephan Weichert fanden.

Unter dem Titel  „Zu viel Lamento, zu wenig Experimente“ macht er sich Gedanken über das künftige Berufsbild des Journalisten und ortet strategische Fehler von Verlagen:

“Sicher, Journalisten halten Handwerksregeln und berufliche Kodizes ein, die Laien nicht für sich beanspruchen. Aber sie müssen sich noch beherzter vom Meinungsmacher und Weltendeuter zum Moderator und Katalysator von Nutzerinteressen entwickeln.”

Veröffentlicht wurde das Interview am 12. August, aber es lohnt sich auch, die weiteren Beiträge in der Reihe “Merkur Spezial – Die Zeitung lebt” zu lesen – eine Übersicht am Ende des Interviews gibt Auskunft.

joint – Journalisten in Thüringen

“Der Journalist wird Lotse im Meer der Medien”

(ra). Weil das Internet nichts vergisst, findet man eben auch drei Tage nach Veröffentlichung einen Beitrag von Stephan Russ-Mohl auf standard.at mit dem Titel “Der Journalist wird Lotse im Meer der Medien”. Er reflektiert darin darüber, wie Zeitungen in 20 Jahren aussehen könnten, ob Internet und Gratisblätter herrschen, ob ein neuer Analphabetismus bedient wird oder der unabhängige Qualitätsjournalismus erstarkt. Das sind auch Themen, die er erforscht. Stephan Russ-Mohl ist Professor für Kommunikationswissenschaften in Lugano, leitet das Europäische Journalismus-Observatorium und hat an der Stanford University in Kalifornien über den zukünftigen Zeitungsjournalismus geforscht.

joint – Journalisten in Thüringen

“Friedliche Koexistenz”

(ra). “Wie sich die Zeitung neu erfindet“ – so diskutierte der „Art Directors Club Deutschland e. V.“ (www.adc.de) dieser Tage in Frankfurt/Main auf seinem Gipfel 2010.

Bei aller Euphorie für die neuen Medien gelte: Zeitungen seien ein wichtiges Werbemedium und blieben als reichweitenstarkes Medium unverzichtbar für Demokratie. Und Werbetreibende.

Das ist eine Schlussfolgerung der öffentlichen Debatte zwischen Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“, und Johnny Haeusler, Initiator und Blogger des Medien-Weblogs Spreeblick.com, mit Moderator und Werber Ralf Zilligen.

Augstein ist überzeugt, dass Printprodukte eine Zukunft haben. Zeitungen sollten deshalb auch von jungen Werbern nicht aus dem Blick verloren werden. Print und Online könnten ohne Kannibalisierungseffekte parallel existieren. Beide Kanäle seien relevant und beide hätten ihre Berechtigung:

„Im Kern geht es doch um Nachrichten, um den Inhalt – und nicht um die Darreichungsform.“ (Jacob Augstein)

Blogger Haeusler glaubt zu beobachten, dass sich Produkt und Marke voneinander lösten:

„Eine starke Zeitungsmarke ist sowohl gedruckt als auch online präsent und beliefert ihre Leser über beide Kanäle hinweg adäquat mit journalistischen Produkten beliefert.“

Komplexe Inhalte ließen sich aber online nicht so gut vermitteln und rezipieren – das leiste die gedruckte Zeitung mit Hintergrundberichten, Analyse, Meinungsseiten besser. Und das sollte laut Haeusler „gerne weiter ausgebaut werden“. Online sei das Medium für die schnelle, aktuelle Nachricht.

Das hätten Zeitungsverlage erkannt, meinte Augstein, der statt einer „Krise des klassischen Journalismus“ eher „eine Krise des Erlösmodells“ sieht. Dass gedruckte Tageszeitung und der Auftritt im Netz sich ergänzen statt ersetzen, darüber waren sich alle einig.

„Ich bin heilfroh, dass der früher propagierte Widerspruch zwischen Print und Online keiner mehr ist. Diese Diskussion ist vorbei – und das ist ein diskursiver Fortschritt!“

meinte Moderator Zilligen.

Vor allem Zeitungen seien aber außer Werbeträgern vor allem unverzichtbar für die Demokratie. Blogs und Social Media seien eine wertvolle Ergänzung. Aber sie seien die Stimme des Individuums, keine Institution wie die Presse. Das bestätigte Blogger Haeusler: „Wir brauchen diese großen Plattformen, die Printtitel bieten. Das können Blogs nicht leisten.“

Das Fazit der Runde: Die Zukunft ist die friedliche Koexistenz von Print und Online.

(Quellen: die-zeitungen.de, wuv.de, meedia.de)