(ra) Paul-Josef Raue im taz-Interview:

Die Zahl der Unterzeichner – fast 80 TA-Journalistinnen und Journalisten – kann man aber auch als klares Misstrauensvotum lesen. Was macht Sie so sicher, dass Sie Ihren Kurs durchsetzen werden?

Redakteure sind in der Mehrzahl kluge Menschen, aber auch sie reagieren auf Veränderungen nicht selten verunsichert. Die Redakteure kennen die eindeutigen Ergebnisse unserer Leserforschung. Sie kennen ihre Fähigkeiten, entwickeln immer mehr Freude, ja Lust an tiefen Recherchen. Sie sind dabei, ihre Furcht vor der neuen Freiheit zu verlieren, aber sie müssen auf gewohnte autoritäre Strukturen verzichten. Revolutionen brauchen Zeit, und sie brauchen offenbar auch viel, viel Kommunikation.”

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16 Kommentare zu “TA-Chef Raue im taz-Interview: “Revolutionen brauchen Zeit””

  1. Sauberam 28.06.2012 um 11:39

    “Sie sind dabei, ihre Furcht vor der neuen Freiheit zu verlieren, aber sie müssen auf gewohnte autoritäre Strukturen verzichten.”

    Was für ein Schwachsinn! Bisher hat noch jede Redaktion, der Herr Raue vorstand, rebelliert, weil der Mann einfach seinen Job nicht kann. Bei der Frankfurter neuen Presse haben die Kollegen ihn damals sogar erfolgreich weggekriegt, weil selbst der Verlag am Ende nicht mehr blöd genug war, Herrn Raue zu glauben.

    Das ist in Thüringen – mangels fähigem Management – zwar sicher leider nicht zu erwarten. Aber zumindest das Problem Raue wird sich aus Altersgründen bis nächstes Jahr erledigen. Das wird zwar der Zeitung nicht mehr helfen – aber wenigstens muss mann dann nicht mehr solche realitätsfernen Interviews lesen.

    Übrig sind dann leider nur noch eine Rumpfredaktion und eine nicht mehr rettbar beschädigte Marke. Und die IVW-Zahlen werden weiter zeigen, was von Herrn Raues Gerede übrig bleibt. Mein Tipp für die kommende Ausweisung: Verluste zum Vorjahr von 4 bis 6 Prozent (also wie unter Raue regelmäßig).

  2. Harald Rohnkeam 28.06.2012 um 15:00

    warum hat das Blog diesen nichtssagenden Satz von Herrn Raue als Überschrift ausgesucht und nicht stattdessen den viel schöneren genommen? Nämlich: “Das mag Sie wundern, aber ich unterschreibe 80 Prozent von dem, was die Redakteure beklagen.” Völlig gaga, der Mann.
    80 Prozent Übereinstimmung? dann Rücktritt!

  3. Schlimm!am 29.06.2012 um 09:07

    Wer auf das Lokale setzen will, muss es stärken! Dann muss die Entscheidung auch im Lokalen liegen. Sich mit einem Tisch-Chef einzuigeln, ist genau der falsche Weg. Desks müssen Redaktionen helfen, indem sie Arbeiten abnehmen, aber sie nicht gängeln. Sie dürfen aus der Ferne auch keine Vorschriften machen! Katastrophe, was dieser Mann hier macht. Aber das ist ein passender Schlusspunkt zu seiner Vita.
    .
    Ach ja: An welcher angelsächsichen Lokalzeitung hat sich Herr Raue denn für Thüringen orientiert? Der Los Angeles Times…?

  4. Entspannt...am 29.06.2012 um 10:21

    …von den Turbulenzen in Erfurt hat sich der Chefredakteur beim “Zeitungsgipfel” des Fachmagazin HORIZONT und dort über Qualität trotz Kostenschraube philosophiert (http://www.conferencegroup.de/_pdf/pdf_program/Zeitungsgipfel_2012_Programm.pdf).
    Es scheint in dieser Branche offenbar ein Kompetenzausweis zu sein, wenn einem der Laden um die Ohren fliegt, die Redakteure revoltieren und die Leser flüchten. Irgendwie bringt das die ganze Misere der deutschen Zeitungsbranche auf den Punkt.
    Wenn das die Fachleute sind, die über die Zukunft von Print entscheiden, ist das Thema leider tot wie Disco. Es kann einem nur um die Kollegen leid tun, die das weiter aushalten müssen.

  5. Deskchefam 29.06.2012 um 10:35

    Überall werden Desks gerade wieder zurückgefahren. Sogar bei der WAZ in NRW. Nachdem man dort Millionen ausgegeben hat für die Einrichtung von Desks und Regiodesks und damit dann Millionen an Anzeigenumsätzen und Vertriebserlösen durch Leserflucht vernichtet hat, kommt jetzt eine neue “Lokaloffensive”.
    .
    In Thüringen – wo die Missstände und Erfolglosigkeiten aus NRW immer zwei Jahre später nachgemacht werden – wird es also ca. 2014/15 eine Lokaloffensive geben.
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    Mit ein bisschen Glück wird das aber keiner merken, weil dann nämlich nur noch die Schreiber der Lesergedichte und die Politiker, die im neuen Ressort Debatte ihre Reden in sozialistischer Manier abgedruckt lesen wollen, Abonnenten der Zeitung sind.

  6. Darüber lacht sogar NRW!am 29.06.2012 um 10:37

    http://www.medienmoral-nrw.de/2012/05/lokaloffensive-der-waz-nur-eine-mogelpackung/#comment-54352

  7. clou 66am 03.07.2012 um 22:40

    Wenn Herr Raue zu 80 Prozent mit dem von der Redaktion Geschriebenen übereinstimmt, ist das ein Rücktrittsangebot. Sind denn die Herren in der Geschäftsführung im Urlaub, um es anzunehmen? Oder sind sie einfach nur sprachlos?

  8. Sprachlos?am 05.07.2012 um 10:22

    Nein! Klaus Schrotthofer & Co ist es einfach nur egal.
    Weder ist es ihre Zeitung – sie verwalten sie nur – noch haben sie sonst eine emotionale Bindung an Blatt, Journalisten usw. Es soll lediglich in den letzten Printjahren noch ordentlich was rausgeholt werden aus dem Unternehmen. Insofern darf sich Herr Raue sicher fühlen. Er macht ja lediglich die PR für diesen Kurs.
    Dass er das richtig besch*** macht, steht auf einem anderen Blatt.
    Die bittere Wahrheit ist: Die TA/ZGT mit ihrem Management und ihren CR ist nach ein paar Jahren Schrotthofer/Raue mittlerweile einfach ein genauso schlecht geführtes Printunternehmen, wie viele andere, die langweilige, uninspirierte und zusammengeklatschte Blätter in Deutschland herausgeben. Vorbild NRW.
    Und so ist auch die TA – angesichts der Veränderungen in der Mediennutzung und im Medienwettbewerb – durch diesen Kurs zum Tode verurteilt. Denn leider sind alle Dinge, die gegen den Relevanzverlust helfen würden, in den letzten zweieinhalb Jahren rasiert worden. Die Markenstärke ist auf dem Tiefpunkt und die Zeitung macht sich beinahe täglich lächerlich mit ihrer gestrigen Schülerzeitungsanmutung und ihrer unbeholfenen udn seichten Ranschmeiße an einen imaginären Dumm-Leser. Marke kaputt, Relevanz weg – es ist leider noch nicht einmal mehr schade, dass die TA das wohl nicht überleben wird. Denn so etwas braucht einfach kein Mensch.
    Ärgerlich ist nur, dass Herr Schrotthofer und Herr Raue – abgesehen von kleineren Unannehmlichkeiten – wie zufällig öffentlich geäußertem Protest von Journalisten – für den Schaden am Unternehmen und dem Thüringer Gemeinwohl nicht persönlich haften werden. Sie werden weiterziehen und bei der Bundeszentrale für politische Bildung oder der SPD oder der Adenauer Stiftung in hochgestochenen Reden den Qualitätsjournalismus und seine wichtige Funktion für die Gesellschaft feiern und dafür als prominente Zeitungsmacher Beifall erhalten.
    Ist zum Kotzen? Ja – leider.

  9. Nicht neuam 05.07.2012 um 13:18

    “[…]weil Deutschlands Verlage zu den am schlechtesten gemanageten Unternehmen der Republik gehören. […]
    .
    Die Probleme der Medienunternehmen sind nicht imaginierte Raubkopien oder eine Gratiskultur im Netz (die auch so eine Lüge ist). Sie sind hausgemacht. Die letzte tief greifende Innovation in Print-Verlagen war die Einführung von Redaktionssystemen. Danach kam nichts mehr. Medienunternehmen sind heute nicht nur rückständig – sie sind gar innovationsfeindlich.
    .
    Sie klammern sich an die letzten Latifundien, getrieben von der Hoffnung ihrer Entscheider noch einigermaßen gut gepolstert in die Rente zu kommen.
    .
    Sie sind sogar bereit jene Werte zu verraten, die ihnen Sonderrechte im Rahmen der Verfassung garantieren: Verlage sind intransparent, lügen nachweislich und sind nicht daran interessiert in den öffentlichen Diskurs einzutreten.”
    .
    Thomas Knüwer: http://www.indiskretionehrensache.de/2010/12/leistungsschutzrecht-die-neuen-ruhrbarone/

  10. Die Fehler der Zeitungenam 11.07.2012 um 18:00

    “Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt. Deshalb haben Sie alle in den letzten Jahren so vehement wie nie zuvor in Ihre lokalen Redaktionen investiert. Sie haben immer mehr und fähigere Redakteure eingestellt.

    Sie haben sich die besten Journalisten geholt, die der Markt hergab. Sie haben ihnen attraktivste Gehälter gezahlt. Sie haben ihnen in Ihren Blättern immer mehr Zeit und Raum für Meinung, Reportagen und Hintergrundberichte gegeben. Und das dumpfe Abschreiben langweiliger Agentur- „Meldungen” immer mehr aus Ihren Blättern verbannt.

    Sie geben Ihren Lesern Heimat, Zugehörigkeit, Verbundenheit, Orientierung. Sie geben ihnen auch Kraft, wenn es um die Interessen Ihrer Leser geht. Sie sind ihr Verbündeter im Kampf um lokale Interessen und lokale Politik. Sie sind das Spiegelbild ihres Lebens.

    Sie sind auch der Spiegel, den Sie Ihren Lesern vorhalten. Sie sind eine Instanz. Sie sind die stärkste, meinungsbildende Kraft, die ein Medium vor Ort entfachen kann.

    Ich packe Sie jetzt mal bei Ihrer Verlags- und bei ihrer Verleger-Ehre: Wenn Sie das alles längst genauso machen, dann machen Sie alles richtig.

    Wenn nicht (und meine Ironie wird Ihnen nicht entgangen sein), dürfen Sie meinetwegen gern aussterben.”

    […] Thomas Koch im Horizont. http://www.horizont.net/aktuell/medien/pages/protected/printall.php?id=108736

    Nichts hinzuzufügen. Eine TA in den Händen der gegenwärtigen Häuptlinge ist das Überleben nicht wert.

  11. nickiam 12.07.2012 um 20:35

    Ist denn die Bilanz über die Desks durchgehend kritisch? Kann man das Modell nicht ändern, damit es einen Sinn bekommt?

  12. _Der | Aschenbrenner_am 12.07.2012 um 21:43

    Die Desks sind nicht die Cholera.
    Die Pest ist die Konzeptionslosigkeit der obersten Heeresleitung.
    Ist die sonntagsrednerische Lobpreisung des Lokalen als heiliger Gral.

    Auf die dann das vielsagende Schweigen folgt, alsbald sich der Vorhang schließt und die öffentliche Aufmerksamkeit ausgesperrt wird. Dann zeigt sich nämlich die ganze jämmerliche Armut, nicht zu wissen, woher Blatt, Redaktion und Leser kommen und erst recht nicht, wohin die Reise zu gehen hat.

    Es ist unglaublich, wie schnell Missmanagement und Missachtung individueller wie kollektiver Kreativität aus einem respektablen Blatt ein Blättchen gemacht haben, das deshalb dem so unromantischen wie heftigen Wind der Marktwirtschaft schier wehrlos ausgeliefert wird.

    Die Desks; die sind nicht Cholera, noch Pest.

  13. Garciaam 13.07.2012 um 12:11

    @nicki:

    Die Bilanz der Desks – so wie sie seit Mitte der 2000er Jahre in deutschen Redaktionen von Regional- und Lokalzeitungen verstanden und eingeführt wurden – ist leider durchgehend negativ. Denn hier stand nicht das Optimieren von Abläufen und Prozessen im Vordergrund, sondern das Austeilen eines Modernisierungsplacebos.

    Grundsätzlich sind Newsdesks natürlich nix schlimmes; sie bezeichnen lediglich einen gemeinsamen Fixpunkt des Blattmachens. Diese “Endfertigungstische” sind sinnvoll und etwas derartiges musste auch nicht neu erfunden werden (bei der TA etwa wurde schon seit den frühen neunziger Jahren nach der Nachmittagskonferenz immer an einem gemeinsamen Tisch die Ausgabe des darauffolgenden Tages von den Schlussredakteuren, den CvDs und der CR “gemacht”).

    Das Problem der Desks, wie sie etwa bei der WAZ (und bei der TA) auf Ebene Mantel und dann als Regiodesk zwischen den einzelnen Lokalredaktionen und der Zentralredaktion eingezogen wurden, war und ist, dass diese Desks trotz der großen Worte von der Qualitätssteigerung nichts anderes sind als Kostendrücker und Pseudomodernisierungen. Der Anspruch einer Qualitätssteigerung wurde nirgends erreicht. Viele Häuser haben das Thema Newsdesk genutzt, um in den Lokalredaktionen und im Mantel Stellen zu streichen und statt intensiver Bearbeitung der Fläche (siehe Kommentar oben von Thomas Koch) mit einer überschaubaren Truppe Zeitungskulissen zusammenzunageln, die die Regional- und Lokalzeitungen überall dramatisch Leser gekostet haben.

    Die TA hat das große Pech, dass diese Fehlentwicklung von einem sensationell sachfremden Duo aus Chefredaktion und Verlagsleitung zu einem Zeitpunkt umgesetzt wurde, da nahezu überall der Unsinn dieser speziellen auf Kostendrückerei fokussierten Organisationsform bereits wieder infrage gestellt wird. Die aktuell bei der TA laufenden Umbesetzungen von Redakteuren quer durch die Lokalredaktionen, die hirnrissigen Wechsel von lokalen Auskennern in komplett andere Ecken des Verbreitungsgebiets sind ein deutliches Zeichen für den eigentlichen Grund: Leute rausekeln, Widerstand brechen – Kosten runter.

    Hauptursache der Veranstaltung ist, dass sowohl der Verlagsleitung in NRW und einmal mehr den Häuptlingen in Erfurt jeder Plan fehlt, worauf es beim Zeitungsmachen ankommt. Siehe dazu die diversen Kommentare hier zu den Themen Relevanz und Markenstärke.

    Die Desks an sich können gar nichts dafür. Desks können eine hochsinnvolle Veranstaltung sein, wenn die darunter liegenden Strukturen (Lokal/Regionalredaktionen) sinnhaft besetzt sind und das Blattmachen in den Händen von Leuten liegt, die wissen, was sie tun.

    Das Problem in Thüringen war, dass die Kollegen aus dem Westen ihre Strukturvorstellungen per Rechthaberei durchstellen wollten. Was wir in NRW – mit Hilfe der berühmten Unternehmensberater entwickelt haben – sollte als Segnung auch dem Osten übergeholfen werden. Hätte ja sonst so ausgesehen, als ob man den eigenen Rezepten nicht traute. Dass dabei als Colateralnutzen auch noch eine ziemlich selbstbewusste Redaktion rasiert werden konnte, wurde gerne in Kauf genommen. Dieser Prozess wird bei der ZGT so noch eine Weile laufen. Dann – mit etwas Abstand – wird die nächste Sau durchs Dorf getrieben – wahrscheinlich die Stärkung des Lokalen :-)

    All das ge-Deske bemäntelt letztlich nur, dass der Unternehmensführung abseits des Sparens jede Idee für ihr Geschäft und dessen dramatischen Wandel fehlt.

  14. Theobald Tigeram 13.07.2012 um 13:15

    Bravo Garcia (Márquez?). Grandiose Analyse. Besser geht’s nicht. Das ganze Kasperletheater hat nur einen Zweck. Den nicht mehr zu korrigierenden Auflagenschwund der TA/TLZ/OTZ in naher Zukunft zu kompensieren, indem es dann nur noch EINE Zeitung gibt. So spart man dann Kosten auf allen Ebenen. In den USA, wo sich die großen deutschen Zeitungsstrategen die Desks abgeguckt haben, sind diese bei vielen Tageszeitungen – die mittlerweile nur noch wöchentlich erscheinen – längst wieder eingedampft. Trotzdem kann Zeitung in Deutschland noch Zukunft haben, so lange es Papier gibt. Nur im Lokalen!……wenn es dann noch Redakteure gibt.

  15. So schnellam 13.07.2012 um 14:05

    … wie uns die Umsätze wegbrechen, kann man gar nicht sparen. Das Thema EINE Zeitung hätte man mit einer TA in alter Stärke Anfang 2000 machen müssen. Jetzt wird diese Politik des Zentralisierens und Leute-Rausschmeissens nur den Absturz bei den Aboküdigungen und damit Vertriebserlösen (und gleichzeitig natürlich auch bei den Anzeigen) beschleunigen. Und die Wettbewerber bei den Hallos und den Radios freuen sich den A***ab, über die dumme Klopserei beim ehemaligen Nummer-Eins-Medium in Thüringen.

  16. XXODDMIOMNJNCDNam 14.09.2018 um 18:03

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