(mf) “Könntest du noch schnell?”, “Ich hätte da noch”, “Das kriegst du doch noch hin, oder?” Freien Journalisten ernten von von Außenstehenden gern mal verträumte Blicke. Keine festen Arbeitszeiten, Aufstehen, wann du willst, Pause, wann du willst. Dass dahinter ein knallharter Job steht, wissen oft nur die, die sich für diesen Weg entschieden haben, und mit ihm für den ständigen Kampf um lukrative Aufträge, für die oftmals völlige Aufgabe eines Feierabends und die geringe Entlohnung.

Und die Aufgabenpalette wächst und wächst. Einfach nur Texte zu liefern reicht heute oftmals nicht mehr aus. Könnte ja eigentlich Grund zur Freude sein, ein breiteres Angebot, mehr Aufgaben, sollten auch die wirtschaftliche Lage der Kollegen verbessern. Zumal die Redaktionen immer kleiner werden, immer mehr auslagern müssen. Sollte. Denn das Gegenteil ist der Fall, wie sich auch in der Umfrage des DJV unter Thüringer Freien wiederspiegelt. Fast ein Viertel der Befragten schätzt die Auftragslage als schlecht bis sehr schlecht ein. Viele fühlen sich von den Redaktionen allein gelassen, eine Auftragskontrolle existiere nur noch in der Theorie, ein Austausch mit festangestellten Redakteuren, so die Befragten, sei nur dann möglich, wenn ein Arbeitsplatz in den Redaktionen selbst existiere. Und diesen Luxus haben nur 40 Prozent der Umfrageteilnehmer, wobei hier die Gefahr der Scheinselbstständigkeit nicht zu unterschätzen ist. Lediglich 20 Prozent gaben dagegen an, an Redaktionskonferenzen teilzunehmen.

Auch im Portmonnaie spührt kaum einer eine Auswirkung seiner Leistung. 44 Prozent erhalten nichtmal eine Aufwandsentschädigung für ihre Fahrtkosten und Rechercheausgaben. Von unvergüteten Mehrfachverwertungen ihrer Texte ganz zu schweigen. Die meisten erhalten Zeilenhonorare, auch Seiten- oder Auftragspauschalen sind üblich. Nach den verhandelten Vergütungsregeln bezahlt werden allerdings nur 12 Prozent der Teilnehmer. Da stellt sich die Frage, wie groß der Wille ist, für die eigenen Rechte einzutreten.

Wollen wir gerechte Bezahlung für geleistete Arbeit? Wenn ja, wie soll sie aussehen? Was ist den Kollegen wichtiger, höhere Honorare oder eher eine soziale Absicherung, Urlaubsanprüche und eine sichere Auftragslage? Welche Wünsche haben freie Journalisten an die Redaktionen? Wie kann die Kommunikation verbessert werden?

Dass die Umfrage unter den Freien nur einen kleinen Teil der Kollegen in Thüringen abdeckt, steht außer Frage. Um hier klarer beschreiben zu können, wie sich die Arbeitsbedingungen ändern müssen, um eine bessere Zusammenarbeit zwischen Redaktionen und freine Kollegen zuerreichen, ist der DJV auf Zuarbeit angewiesen.

Welche Aufgaben sind in den vergangenen Jahren konkret dazugekommen? Wurde der Versuch unternommen, die neuen Leistungen auch in das Honorar einfließen zu lassen? Wie hat sich der Arbeitsalltag nach Inkrafttreten des Mindestlohngesetzes geändert?

Ein Kommentar zu “Freie/r Journalist/in – ein Traumberuf?”

  1. Susann Winkelam 07.10.2015 um 20:57

    Wünsche an die Redaktionen: An erster Stelle Ehrlichkeit. Wenn der Honorartopf kleiner wird, wenn mehr Beiträge von den Festangestellten abgedeckt werden sollen, dann heraus mit der Sprache. Hinhalten schont keinen Freien, es verunsichert nur. Und bringt die Monatskalkulation ins Wanken.

    Bessere Kommunikation: Ganz aktuelles Beispiel von heute von der Evangelischen Wochenzeitung “Glaube + Heimat”: Per E-Mail ging erstmals eine Übersicht an alle Freien mit den geplanten Themenschwerpunkten für die kommenden Ausgaben und der Bitte, sich mit Ideen einzubringen. Wunderbar.

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