(rl) Nun behaupte mal einer, die Verlage hätten die Zeichen der Zeit nicht erkannt und deshalb keine Lösungen. Wie, das glauben Sie nicht?

Vom Zeitungskongress in Dresden tönte der Interessenvertreter von Verlagen, der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV): Er strebe ein Tarifwerk Zukunft an, das die Arbeitswirklichkeit in den Redaktionen widerspiegelt. Na hoffentlich, schoss es mir durch den Kopf, ist das nicht der zweite Aufguss der Forderungen von vor fast drei Jahren, die einer Entwertung des Berufs Journalist gleichkamen.

Nimmt man die Damen und Herren in den Chefetagen beim Wort, müssten die Gehälter exorbitant steigen. Immer weniger Redakteurinnen und Redakteure müssen immer mehr leisten. Und ohne Freie geht es kaum noch. Die Zahlung einer angemessenen Vergütung müsste also mehr als selbstverständlich sein.

“Zu diesem Zweck hat der Sozialpolitische Ausschuss des BDZV sämtliche Tarifverträge redaktionell und inhaltlich auf einen modernen Stand gebracht.”,

ließ die Verlegerorganisation verbreiten.

Müssen Journalistinnen und Journalisten darauf gespannt sein, was mit Vorschusslorbeeer versehen wurde und am 9. Oktober verkündet werden soll?

Ja, müssen sie – und misstrauisch. Das in den bisherigen Verhandlungen als hohe Hürde aufgebaute Regionalisierungsmodell kann nicht gemeint sein. Der BDZV will damit den unterschiedlichen Wirtschafts- und Lebensbedingungen Rechnung tragen. Die Kaufkraft der Region soll maßgeblich sein, wie viel die Redakteurin/der Redakteur verdienen darf. Einmal davon abgesehen, dass eine reine Kaufkraftbetrachtung bei überregionalen Titeln ins Absurde führt, neigen die Verlage nicht gerade dazu, den Abopreis am Kaufkraftindex zu orientieren.

Wie will man allein die Schwankungsbreite in Thüringen berücksichtigen? Zwischen dem Kaufkraftindex im Kyffhäuserkreis (79) und Suhl (94) liegen nicht nur räumlich Welten. Welche Probleme die Stadt Suhl hat, ist allseits in Thüringen bekannt. In Jena (87,4) sind die Mieten prozentual zum Einkommen genauso hoch wie in der bayerischen Landeshauptstadt (133,4).  Ergo: Es gab bestimmt gute Gründe für die Abschaffung des Ortszuschlags im Öffentlichen Dienst.

Bleibt noch die drängendste Frage. Wie werden all jene eingefangen, die sich den Tarifen durch Auflösen der Verlegerorganisation, Mitgliedschaft ohne Tarifbindung, Leiharbeit, Ausgliederung entzogen haben. Die Liste ist sehr lang.

4 Kommentare zu “Die Verlage und die Zukunft”

  1. carlos am 02.10.2013 um 08:57

    Hallo WAZmänner und -frauen in Thüringen, nicht so zahm im Umgang mit den Chefs! Die sind auch nicht zimperlich, wenn sie Arbeitsplatzabbau als Anpassung der Strukturen bezeichnen. Der Blog in NRW wird nicht nur frequentiert, dort wird auch kommentiert: /2013/07/funke-springer-deal-viele-offene-fragen/ !

    Die Freitagsmails der Essener Geschäftsführung spielen im Blog ebenso eine Rolle wie die Gründung eines Redaktionsbeirats beim Hamburger Abendblatt als Antwort auf die anstehende Übernahme des bisherigen Springerblatts durch die Funke-Gruppe.

    Zumindest der Betriebssport hat nun wieder seine herausgehobene Stellung in der Funke-Truppe. Den 7. Funke Team Cup nahm die Geschäftsführung höchstselbst von der Streichliste. Geht doch. Nur Mut Kollegen!

  2. clou09 am 04.10.2013 um 09:12

    Funke springt über auf Madsack:

    Aus dem Netz funkte die Madsack-Geschäftsführung den Mitarbeitern die Neuigkeiten ihrer Strategie 2018. Glücklich kann sich jeder schätzen, der dort arbeitet, weil die Chefetage davon ausgeht, auch in 5 Jahren noch Zeitungen zu verbreiten. Dazu wollen sie die überregionale Berichterstattung zentralisieren. “Die
    überregionale Berichterstattung wird besser, wenn wir sie mit den vereinten Kräften der ganzen Gruppe gestalten.” Das kann man so oder so sehen. Wo aber treffen sich die bei der Zentralisierung freigesetzten Redakteurinnen und Redakteure? In den personell aufgestockten Lokalredaktionen oder müssen sie bei der Arbeitsagentur eine Nummer ziehen? Bei Funke, damals noch WAZ, hat es 300 Redakteuren den Job gekostet.

  3. Besserwisserchen am 06.10.2013 um 19:52

    Flieht, ihr Narren!

    Es wird doch nur noch schlimmer. Wer weiter an die WAZ oder Funkes oder UnterwelchemNamenauchimmersieihreraubtierkapitalistischenAbsichtenverschleiern glaubt, der gehört von den weißgekleideten Männern im Jäckchen abtransportiert.
    Werdet aktiv, sucht Euch Pressesprecherstellen, macht Altersteilzeit oder – wenn ihr noch was reißen wollt – macht gefälligst Eure eigene Internet Zeitung auf. Es braucht im Grunde drei Leute: Einen Redakteur, einen Technik-Nerd und einen Verkäufer. (Davon fliegen doch immer wieder genug raus bei Funkes und allen anderen.) Hübsche Webseite aufgesetzt und ab geht die Post.

    Und hört gefälligst auf im Verborgenen zu jammern. Macht den Munde auf gegenüber Scheißchefs, lasst Euch doch nicht alles gefallen, streikt mal wieder…

  4. Häschen am 08.10.2013 um 18:00

    Neeeee – lieber weiter so. Alles wird gut! Ham´se gesacht!!!

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