(pt) Es muss schlecht um die Zeitungs- und Zeitschriftentitel von Springer stehen, wenn der Konzern deren geplanten Kauf durch die Funke-Gruppe (ehemals WAZ) durch ein mehrjähriges Darlehen in Höhe von 260 Millionen mitfinanziert. Vielleicht will man auch Negativschlagzeilen vermeiden. Zusammenlegungen von Redaktionen und Stellenabbau sind schädlich für´s Image, für die Glaubwürdigkeit, von der Journalismus lebt. Das weiß man in Berlin und Hamburg.

Den Geschäftsleuten im Ruhrpott traut man es zu, den Job zu erledigen. Die haben Erfahrung darin, der Leserschaft deutlich zu machen, dass trotz eines Abbaus von 300 Stellen in den Redaktionen bessere Zeitungen ins Haus geliefert werden.

Die wissen auch, wie man 120 Leute vor die Tür setzt, eine Zeitung ohne eigene Redaktion herausgeben kann und sich nicht um Meinungsvielfalt scheren muss.

Die kümmern sich nicht um den eigenen Kodex, wonach man sich an Tarife hält. Deshalb werden in Thüringen keine Tarifverträge mehr geschlossen und unterschiedliche Arbeitsbedingungen in Ost und West wieder eingeführt.

Die können so schön Lokaloffensiven verkünden. Mit zusammengelegten Redaktionen an Standorten mit zwei Zeitungstiteln und Einstellungsstopp. Selbst Stellen von altersbedingt ausscheidenden Journalistinnen und Journalisten werden kaum wiederbesetzt.

“In den vergangenen Monaten und Jahren haben wir, wie Sie alle wissen, konsequent unsere Kosten reduziert. Wir danken Ihnen, dass Sie diesen Weg, trotz aller Härten mit uns gegangen sind.”,

teilte die Essener Geschäftsführung heute ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit. Wie zynisch angesichts der Sparorgien vor allem für mehrere hundert jetzt Arbeitslose, die einstmals der WAZ zu Reichtum verholfen haben, wie auch für die freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen eine angemessene Vergütung verweigert wird. Sie fühlen sich wie eine zur Speisenzubereitung verwendete Zitrone: ausgequetscht und weggeworfen.

Ach ja, was könnte man alles mit dem schönen Geld machen? Zeitungen wieder ihre Eigenständigkeit geben, damit sich die Bürgerinnen und Bürger tatsächlich aus unterschiedlichen Meinungen eine eigene bilden können. Die Unabhängigkeit von Journalisten sichern, in dem sie angemessen bezahlt werden. Die Lokalredaktionen personell aufstocken, um die Geschichten aufschreiben zu können, die auf der Straße liegen. Die Entpolitisierung in der Berichterstattung zurückdrehen …

In Hamburg macht sich Hoffnung breit, aus dem Abendblatt könnte wieder eine Zeitung werden. Für dessen Niedergang wäre biederer antiquierter Inhalt (“mit der Heimat im Herzen die Welt umfassen”) ursächlich. Nun ja!

9 Kommentare zu “920 Millionen-Deal von Springer und Funke”

  1. Nicki am 25.07.2013 um 16:10

    Die Aussichten sind übel. Aber ich frage mich nebenbei, warum das kartellrechtlich geht? Es kann doch nicht ein Laden alle Regionalzeitungen besitzen?

  2. Nicki am 26.07.2013 um 08:04

    Wenn Springer wirklich eine gute Online-Strategie hat, müssen sich die anderen Print-Medien auch was überlegen, wenn sie nciht den Anschluss verlieren wollen.

  3. Stefan am 30.07.2013 um 09:16

    Die gesamte Vertriebsschiene bei der ZGT wird “umgebaut”. Zum 01.09.13 (ich gehe von der Kreisstadt Schleiz aus, es wird aber in ganz Thüringen umgesetzt) ist der Vertrieb inklusive Geschäftsstellenleiter ” freigesetzt “. Das Reklamationssystem wird auf 450,- €-Basis weitergeführt. ( Einsparung: 1 Außendienstmitarbeiter, 2 Innendienstmitarbeiter, 1 Geschäftsstellenleiter) Die 450,-€ Kräfte werden nur bei “Bedarf” mit 5,-€ Std.-lohn vergütet zzgl. Km-Geld für PKW-Benutzung. Das heißt, sie haben Bereitschaft, die nur vergütet wird, wenn eine Reklamation aufläuft. Die Zeiten der “Bereitschaft” werden nicht vergütet.

  4. Nicki am 31.07.2013 um 06:09

    Das heißt: Teile der Verwaltung werden so behandelt wie freie Journalisten?

  5. Rette sich wer kann! am 01.08.2013 um 21:48

    Flieht! Ihr Narren! Das hört nicht mehr auf und wird nur schlimmer.

  6. Oh Mann am 01.08.2013 um 23:13

    http://www.newsroom.de/news/detail/$HVKWGQLTNTGK/funke_mediengruppe_schliet_geschftsstellen

  7. Spitze! am 02.08.2013 um 21:48

    Leserläden sind wahrscheinlich eine der besseren Marketingmaßnahmen, die Zeitungen sich leisten. Denn da kommen ja vielleicht doch hin und wieder Menschen vorbei, die sich für das Produkt überhaupt noch interessieren. Hochgradig gebundene Kunden. Aber das ist der WAZ seit paar Jährchen schon Wurscht.
    Obwohl in der Branche schon länger klar ist, dass es idiotisch ist, seinen treuesten Kunden die Kontaktmöglichkeiten zu kappen.
    Aber idiotisch ist ja auch, den Abonnenten heute die Zeitung von gestern zuzustellen und die WAZ macht’s trotzdem. Da kann man nur applaudieren.

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  9. funketeamcup am 08.09.2013 um 14:04

    Ein wichtiges Ereignis des Betriebssports der Funke Mediengruppe, das auch schon auf der langen Streichliste der Mediengruppe stand, ist wieder von der Liste runter, dies haben jetzt die drei Geschäftsführer Thomas Ziegler, Manfred Braun und Christian Nienhaus ihrer Belegschaft in ihrer Freitagsmail mitgeteilt. “Wie Sie vielleicht wissen, hatten wir diese Veranstaltung ja mal auf die “Streichliste” gesetzt. Das war ein Fehler”, zeigen sich die Drei einsichtig und lernfähig. Aber sie wären natürlich nicht die Chefs vons Janze wenn sie sich nichts dabei gedacht hätten. “Wir brauchen solche Möglichkeiten der Begegnung und des Austausches – mehr denn je.” Und deshalb dürfen jetzt am 28. September von 10 – 20 Uhr im Stadion von Rot-Weiß Essen 20 Teams aus Thüringen, Ismaning, Braunschweig und Nordrhein-Westfalen beim 7. Funke Team-Cup vor der Kulisse der WAZ-Kurve gegeneinander antreten. Mit einem kurzweiligen Rahmenprogramm und natürlich “für das leibliche Wohl ist gesorgt”. Na dann ist ja wieder alles klar auf der Andrea Doria…

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